Wir wollen’s lauter!

Warum Elektroautos ruhig einmal schweigen dĂĽrfen und das nicht den Untergang der Welt bedeutet.

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Von
  • Christine Jurgeit-Körner

Über das Thema Elektroautos und die Frage, ob sie aus Sicherheitsgründen lieber ein bisschen Krach machen sollten, wurde bereits einiges geschrieben – unter anderem auch an dieser Stelle von meinem Kollegen Martin Kölling. Dabei ging es vielen Kommentatoren eher um die Frage, welches mehr oder weniger quietschende, piepsende oder brummende Geräusch die neuesten technischen Errungenschaften des flüsterleisen Automobilverkehrs von sich geben sollten. Meine Antwort lautet: natürlich gar keins!

Flüsterasphalt, nächtliche Tempolimits auf Autobahnen, Lärmschutzwände. Es wird viel Aufwand betrieben, um die Lärmbelästigung durch den wachsenden Verkehr zu reduzieren. Lärm macht krank! Das stand lange außer Frage. Bis jetzt.

Kein Lärm ist bei eAutos auch keine Lösung, heißt es, er ist sogar lebensgefährlich. So oder so ähnlich lautet der Tenor vieler Medien. Ein elektrisch angetriebenes Auto ist bei Geschwindigkeit von weniger als 30 Stundenkilometern fast geräuschlos und sei somit ein Unfallrisiko für arglose Verkehrsteilnehmer.

Aktuelles Beispiel: Die Nissan-Tochter Infiniti bietet den "Approaching Vehicle Sound of Pedestrians" serienmäßig im neuen Hybridmodell M35h an. "Um den richtigen Klang zu finden, wurde im Mutterkonzern lange und umfangreich geforscht. Auch die Verhaltensmuster von Fußgängern und die Lärmbelästigung wurde eingehend studiert", heißt es in der neuesten Pressemitteilung. Ziel sei mehr Sicherheit für "Fußgänger und sehbehinderte Passanten". Wer will das nicht? Oder was sagt man zu der viel zitierten Theorie, dass sich die meisten Menschen mehr nach Gehör als sehend am Verkehr teilnehmen?

Angesichts der Massen von mit MP3-Playern und Handys verstöpselten Fußgänger ist das aber eine entweder fragliche oder erschreckende Annahme. Und wieso redet niemand über Fahrräder? Eine schleichende Gefahr, die millionenfach über die deutschen Straßen rollt!

Aber jetzt mal ernst. Selbst die Interessenvertreter aller wie auch immer angetriebenen Vierräder können der neuen Sicherheitsstrategie nichts abgewinnen. "Ich halte es nicht für sinnvoll, Autos künstlich lauter zu machen. Vielmehr sollten alle konventionellen Autos noch etwas leiser werden, sodass Elektroautos nicht völlig im Lärm der anderen Fahrzeuge untergehen", meint ADAC-Techniker Carsten Graf. Ein guter Ansatz.

Wäre da nicht eine offenbar viel, viel wichtigere Frage: "Geht mit dem Verbrennungsmotor ein Stück Kultur verloren?", fragte vor einigen Monaten "Zeit Online". Und weil wir das nun wirklich nicht zulassen können, kriegt der Toyota Prius dann am besten ein Porsche-Geräusch.

Nur gut, dass wir uns auf solche Kulturfeinde wie den Mini E verlassen können, der seit gut einem Jahr ohne Außenlautsprecher über deutsche Straßen rollt.

Eine leise Hoffnung. (bsc)