Friede, Freude, Eierkuchen
Weil es so schön passt, zum grade abgelaufenen Fest des Friedens und der Liebe, und zum Motto des jährlichen Hackerkongresses in Berlin - We come in peace -, an dieser Stelle doch noch ein paar warme Wort zum Hype des Jahres: dem Cyberwar.
„Was immer Du tust“, hat meine Oma mal gesagt, „Junge - bau keine Bomben!“ Ich habe nie nachgefragt, wie sie das eigentlich gemeint hat: Ob eher beruflich – weil ich ja Physiker bin – oder politisch – weil ich mich in meiner Jugend ausgiebig der Veränderung der Welt gewidmet habe. Aber weil es so schön passt, zum grade abgelaufenen Fest des Friedens und der Liebe, und zum Motto des jährlichen Hackerkongresses in Berlin – We come in peace –, an dieser Stelle doch noch ein paar warme Wort zum Hype des Jahres: dem Cyberwar.
Als wir das Thema im Herbst ins Heft gebracht haben, versuchten Kollegen mich davon zu überzeugen, dass wir die Geschichte mit einem hübschen, aktuellen Beispiel aufbrezeln: Der Afghanistan-Scoop von Wikileaks – erinnert sich überhaupt noch jemand an das "Afghan War Diary"? –, das sei doch auch sowas wie Cyberwar, oder? Damit könne man die Geschichte doch prima aufmachen.
Ich lehnte ab, weil mir der Begriff „Krieg“ in diesem Zusammenhang bei weitem zu hoch gegriffen war. Inzwischen ist eine Menge passiert. "Der Fall Wikileaks", hat der Kollege Niels Boeing im Freitag geschrieben, "zeigt (aber) einmal mehr, wie über das bürgerliche Vertragsrecht Machtverhältnisse durchgesetzt werden können". Da sei so etwas wie ein "Info-Bürgerkrieg" im "Kulturraum Internet" im Gange. Doch auch diese Argumentation ist mir bei weitem zu martialisch.
Denn absurderweise führt das ganze Gerede über Netzkrieg, entscheidende Schlacht um Bürgerrechte und Informationsfreiheit und was dergleichen große Dinge mehr sind, zu einer Verdrängung der politischen Realitäten. Und die sind nicht schön, denn sie beinhalten echte, altmodische Kriege – mit richtigen Toten. Die von "unseren Soldaten" geführt werden, um "unsere Interessen" zu verteidigen. Wer wissen will, wie so ein Krieg wirklich ist, braucht die Erfahrung nicht selbst zu machen. Man kann das nachlesen – das geht sogar bei Wikisource, also quasi bei Wikipedia um die Ecke. Und es ist möglicherweise politischer, als das Abfeuern imaginärer Ionenkanonen. Weil es das Denken ändern könnte, und damit auch das Handeln. In diesem Sinne: Peace! (wst)