Die Innovationslosigkeit der Hardware-Hersteller

Auf der kĂĽrzlich zu Ende gegangenen Elektronikmesse CES wurden fast 100 iPad-Klone groĂźer wie kleiner Hersteller gezeigt. Wirklich innovativ sind die wenigsten.

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Wenn wir einmal die hübsche Optik, das durchdachte Betriebssystem und die zahllosen Apps beiseite schieben (was allerdings schwerfallen dürfte), ist Apples aktuelle Inkarnation eines Tablet-Rechners recht einfach gestrickt. Fiesere Zeitgenossen nennen das iPad deshalb auch ein "aufgeblasenes iPhone": Statt 3,5 Zoll ist der Bildschirm knapp zehn Zoll groß, an der grundlegenden Bedienung ändert sich dagegen wenig.

Ich selbst war bei der Vorstellung vor einem knappen Jahr deshalb ziemlich enttäuscht: Ich hatte, auch aufgrund des großen Patentschatzes, den sich Apple aufgebaut hat, irgendwelche abseitigen neuen Technologien erwartet. Eine Touchscreen-Rückseite zum besseren Tippen beispielsweise – oder zumindest eine nette Kamera.

Es stellte sich im Betrieb dann heraus, dass schon das "Aufblasen" der iPhone-Oberfläche auf zehn Zoll eine tolle Sache war: Der größere Bildschirm macht ganz neue Anwendungen möglich und fehlende Aspekte wie die nicht vorhandene Kamera und andere spaßige Goodies wird Apple wohl mit den nächsten Generationen nachliefern, wie es der Computerkonzern schon ewig handhabt.

Trotzdem ist es mehr als verwunderlich, dass fast alle konkurrierenden Hardware-Hersteller Apple auch mit seiner "einfachen" Lösung noch meilenweit hinterherlaufen. Auf der kürzlich zu Ende gegangenen Elektronikmesse CES in Las Vegas konnte man das beobachten. Sage und schreibe 100 verschiedene Tablet-Maschinen wurden auf der Veranstaltung demonstriert – manche mit Android, obwohl das noch gar nicht für die flachen Flundern optimiert ist, manche mit dem noch weniger geeigneten Windows.

Großen Herstellern reicht es aus, ihren Geräten USB- und HDMI-Schnittstellen zu verpassen, zu behaupten, sie funktionierten vernünftig mit Flash und die grundlegende iPad-Optik in Plastik nachzuahmen. Kameras gibt es allenthalben noch, außerdem Formfaktoren wie acht Zoll, die die großen Vorteile von 10-Zoll-Geräten zunichte machen. Neue Bedienmodelle gibt es nicht, Geräte wie das an sich sehr interessante RIM Playbook spielen dagegen das Ich-verstecke-Funktionen-zugunsten-älterer-Technik-Spiel.

Man kann Apple (und den Medien) den ganzen aufgeblasenen Hype um das iPad ankreiden, doch die Tatsache ist doch die, dass auch ein Jahr nach der Vorstellung kein echter Konkurrent verfügbar ist. Ändern wird sich das nur, wenn Hersteller Apple nicht (nur?) kopieren, sondern mit eigenen Innovationen kommen. (bsc)