Massenentlassungen bei Disney Interactive
Nachdem sowohl "Epic Mickey" als auch "Tron: Evolution" gefloppt sind und ein Spiel zu "Fluch der Karibik" erst gar nicht veröffentlicht wurde, entlässt Disney fast die Hälfte der 700 Mitarbeiter seiner Videospielesparte.
Disney Interactive Media, die Videospielsparte des Disney-Konzerns, steht offenbar vor einer großen Umstrukturierung. Laut einem Bericht von CNBC ist von einigen Disney-Mitarbeitern durchgesickert, dass fast die Hälfte der rund 700 Beschäftigten von Disney Interactive entlassen wurden. So wurde das firmeneigene Studio Propaganda Games in Vancouver vor zwei Wochen komplett geschlossen, nachdem die Arbeiten an "Tron: Evolution" – dem Begleitspiel zum neuen Tron-Film – abgeschlossen waren. Das Spiel, welches hierzulande erst jetzt in den Handel kommt, wurde in den USA bereits im Dezember veröffentlicht und von der Kritik wegen seines einfallslosen Spieldesigns, der schlechten Abstimmung und technischer Unzulänglichkeiten verrissen.
Ebenso seien einige Mitarbeiter des in Austin, Texas, beheimateten Studios Junction Point betroffen, das kurz vor Weihnachten das Spiel Epic Mickey veröffentlichte und bisher 130 Mitarbeiter beschäftigte. Geleitet wird das Studio vom renommierten Spieldesigner Warren Spector, der durch Spiele wie "Deus Ex" bekannt geworden war. Spector entschied sich bei Epic Mickey für eine eher düstere Interpretation von Disneys Gallionsfigur. In den USA blieb der Titel mit rund 1,3 Millionen verkauften Exemplaren hinter den kommerziellen Erwartungen des Konzerns zurück. In der Kritik stand das Spiel wegen seiner misslungenen Kamerasteuerung. Spector selbst gab zu, dass dies der schwierigste Aspekt eines Jump&Runs sei und er in diesem Genre noch viel zu lernen habe.
Ein drittes Spiel "Pirates of the Caribbean: Armada of the Damned" zur Filmreihe "Fluch der Karibik" wurde von den Konzernchefs nach mehrjähriger Entwicklungsarbeit im Oktober eingestellt, ohne das Spiel zu veröffentlichen.
Die Entlassungen stehen offenbar im Zusammenhang mit einer Umstrukturierung der Videospielesparte von Disney. So kaufte der Medienkonzern im Juli den Social-Games-Anbieter Playdom für die Rekordsumme von 763 Millionen US-Dollar auf und tauschte in den folgenden Monaten die Führungsriege von Disney Interactive Media aus. Playdom-CEO John Pleasants wurde zum Co-Präsident ernannt, kurz nachdem Präsident Steve Wadsworth nach elf Jahren das Unternehmen verlassen hatte. Im November räumte der General Manager der Disney Game Studios, Graham Hopper, seinen Posten. Er war für die Produktionen "Tron" und "Epic Mickey" verantwortlich gewesen, deren hohe Investitionskosten nicht wieder eingespielt wurden. An seiner statt soll künftig Pleasants die neuen Strategien im Bereich Social-Games des Disney-Konzerns ausarbeiten. Experten erwarten, dass Disney sich künftig auf günstig zu produzierende Social Games statt teurer Blockbuster-Videospieltitel konzentrieren wird. (hag)