Tesla Motors verklagt die Top-Gear-Macher
Schon 2008 hatte sich die Sendung Top Gear über die angeblich geringe Reichweite des Tesla Roadster von nur 55 Meilen lustig gemacht. Jetzt verklagt Tesla Motors wegen übler Nachrede den Sender BBC
- Gernot Goppelt
Hannover, 31. März 2011 – Es ist eine etwas merkwürdige Geschichte mit den Lästermäulern von Top Gear auf der einen und beleidigten Tesla-Vertretern auf der anderen Seite: Tesla Motors, Hersteller des bisher einzigen erfolgreichen Elektro-Roadster, verklagt die BBC, weil in einer Sendung von 2008 der Tesla Roadster verunglimpft worden sei. Kern des Anstoßes ist dieser Satz von Top-Gear Frontmann Jeremy Clarkson: "… although Tesla say it will do 200 miles we worked out that on our track it would run out after just 55 miles and if it does run out it´s not a quick job to charge it up again."
Kurzes Vergnügen
Die sinngemäß korrekte deutsche Version: "… obwohl Tesla sagt, dass (der Roadster) 200 Meilen weit kommt, ermittelten wir auf unserer Strecke, dass nach 55 Meilen Schluss ist – und wenn die Batterie am Ende ist, dauert es ziemlich lang, sie wieder aufzuladen." Und weil es nun mal das Konzept der Sendung ist, beschreibt Jeremy Clarkson dabei die ungünstigste Variante: "… die Batterien an einer normalen Steckdose wieder aufzuladen, dauert 16 Stunden. Um also von hier an die schottische Nordküste zu fahren, braucht man mehr als drei Tage …".
Tesla Motors verklagt die Top-Gear-Macher (3 Bilder)

Jeremy Clarkson ließ 2008 kaum eine Gelegenheit aus, sich über den Tesla Roadster lustig zu machen-
Auch sonst ging Clarkson nicht zimperlich mit dem Tesla Roadster um, was korrekt zitiert in der Klageschrift nachzulesen ist. Verwunderlich ist allerdings, warum Tesla erst jetzt auf die Idee kommt, die BBC zu verklagen, denn die Videos auf Youtube und Co. lassen sich schon seit Jahren betrachten – und erleben jetzt womöglich ein Revival. Tesla bestreitet in der Anklage unter anderem, dass der Roadster tatsächlich nach 55 Meilen liegengeblieben sei. Man wisse, dass in keinem der beiden Autos, die Jeremy Clarkson fuhr, der Ladezustand jemals 25 Prozent unterschritten habe – was freilich ein näher zu prüfendes Argument ist, weil es ohnehin kein Autohersteller zulässt, dass eine Batterie wirklich leergefahren wird.
Freude am Rasen
Der Tesla Roadster hat nur einen Gang, könnte also bei Top-Gear-üblicher Fahrweise durchaus in Lastbereichen mit schlechten Wirkungsgraden unterwegs gewesen sein. Die 211 Meilen, die der Tesla nach Herstellerangaben schafft, sind im europäischen Messzyklus ermittelt worden, der bekanntlich wenig mit der Realität zu tun hat. Und weil auch der Wirkungsgrad von Elektromotoren nicht über das gesamte Drehzahlband gleich ist, mag es in der Praxis extreme Abweichungen von den Herstellerangaben geben – besonders wenn ein paar englische Spaßmacher mit höchstmöglichem Tempo eine Rennstrecke umrunden.