Risse im Bunker

Auch nach der Katastrophe von Fukushima hat Frankreich eisenhart an der Atomkraft festgehalten. Doch das könnte sich nun ändern.

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Atomkraft? Welche Atomkraft? Wer sich, wie ich, auf der diesjährigen Hannover Messe letzte Woche auch mal in die Halle 13 verirrt hatte, um zu sehen, was das diesjährige Partnerland Frankreich zu bieten hatte, konnte eine echte Überraschung erleben. Denn auf dem französischen Gemeinschaftsstand präsentierte sich unter anderem auch Életricité de France (EdF) – mit 58 laufenden AKWs sozusagen das Dickschiff unter den europäischen Kernkraftwerksbetreibern. Auf dem Stand aber war das böse A-Wort nicht präsent.

Man fühlte sich ein bisschen an Asterix erinnert: „Alesia, welches Alesia? Ich kenne kein Alesia“. Bunte Broschüren, putzige, weiße, kleine Holzmodelle, aber keine AKWs, kein Atomstrom, keine kritischen Diskussionen – wie übrigens auch nebenan bei Vattenfall und EnBW.

Nun gilt – wir haben das selbst berichtet – Frankreich in Sachen Atomenergie eigentlich als unbelehrbar. Doch die Zeiten könnten sich tatsächlich ändern: So berichten verschiedene Medien – unter anderem die Neue Zürcher Zeitung in diesem Artikel –, dass es offenbar erste, sichtbare Risse im französischen Atombunker gibt.

„Bei einer Anhörung vor dem Parlament wollte der Chef der Nuklearaufsicht, André-Claude Lacoste, einen schweren Atomunfall selbst in Frankreich nicht ausschliessen“, heißt es bei der NZZ beispielsweise. „Außerdem empfiehlt er der EdF, den im Bau befindlichen Druckwasserreaktor (EPR) im normannischen Flamanville vorerst nicht weiterzubauen, um teure Nachbesserungs-Arbeiten zur Erhöhung der Sicherheit zu vermeiden... Schon nach bisheriger Einschätzung wird das Vorhaben mit 5 Mrd. € fast doppelt so teuer wie ursprünglich erwartet. Pläne für den Bau eines zweiten französischen EPR dürften jedenfalls auf Eis gelegt werden.“

Mit anderen Worten: Das Geschäft mit dem Atom könnte sich für die EdF und auch für den ohnehin in Schwierigkeiten befindlichen Atomkonzern AREVA als echtes, wirtschaftliches Risiko erweisen. Und wenn die Konzerne herbe Verluste einfahren, wird höchstwahrscheinlich wieder mal der französische Steuerzahler in die Bresche springen müssen. Das, und nicht die Sorge um den nächsten GAU, könnte auch in Frankreich die Massen auf die Straßen treiben. Ich bin sehr gespannt, wie die Geschichte weitergeht. (wst)