Der Investor Antonow darf bei Saab mitmischen

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Von
  • Gernot Goppelt

Neue Hoffnung für den akut vom Aus bedrohten Autobauer Saab: Sowohl die schwedischen Behörden als auch der frühere Eigner General Motors (GM) haben am Donnerstag grünes Licht für den Einstieg des russischen Investors Wladimir Antonow als neuen Teileigner gegeben. Der lange umstrittene Finanzier mit Wohnsitz in London will bis zu 30 Millionen Euro bereitstellen und würde damit über 29,9 Prozent der Anteile verfügen.

Im Saab-Stammwerk Trollhättan stehen seit gut drei Wochen die Bänder still, weil das Geld zur Begleichung von Lieferanten-Rechnungen fehlt. Der Chef der schwedischen Kreditaufsicht, Bo Lundgren, sagte allerdings im Rundfunk in Stockholm, er glaube nicht, dass 30 Millionen Euro zur Rettung von Saab ausreichen würden. Weiter hieß es, der US-Konzern GM habe für die Zulassung von Antonow als neuen Teileigner einige Bedingungen gestellt, die bisher nicht erfüllt seien. Ebenfalls noch nicht endgültig zugestimmt hat die Europäische Investitionsbank (EIB) als Kreditgeber von Saab.

Beobachter in Stockholm weisen immer wieder auf den mit jedem Tag Produktionsstillstand zunehmenden Zeitdruck. Am Donnerstag wurde die Entlassung von 200 Mitarbeitern bei einer Zulieferfirma bekannt. Bei Saab selbst sind 3700 Mitarbeiter beschäftigt. Bei einer Insolvenz würden neben diesen Arbeitsplätzen noch einmal etwa genauso viele bei Vertragspartnern verloren gehen.

Die vergangenen Tage müssen für viele Beteiligte ein Wechselbad der Gefühle gewesen sein. Vor Ostern hatte Saab von der schwedischen Regierung die Erlaubnis erhalten, durch den Verkauf von Immobilien Geld zu beschaffen. Die Zusage für eine Unterstützung von Antonov blieb dem Unternehmen aber zunächst versagt. Am Mittwoch sagte Eric Geers im schwedischen Rundfunk, dass es Gespräche mit "mehreren Interessenten" aus China gebe, neuere Informationen hierzu gibt es noch nicht.

2010 liefen im Saab-Stammwerk Trollhättan nur noch 32.000 Autos vom Band. Bei dieser geringen Stückzahl ist der Erhalt von genügend Entwicklungskapazitäten erheblich gefährdet. Ende 2010 hatte zwar BMW zugesagt, zukünftig Motoren an Saab zu liefern. Doch in Bereichen wie etwa der Fahrwerksentwicklung funktioniert ein solches Konzept nicht, wenn Saab auf Dauer nicht nur eine Art Badge Engineering betreiben will. Dann allerdings wäre ein eigenständiger Charakter der Marke nicht zu halten. (Mit Material der dpa) (ggo)