Sparkurs für Öko-Musterstadt

Die Pläne für die arabische Öko-Musterstadt Masdar City sind nach der Finanzkrise erheblich zusammengestrichen worden. An ihrer grundsätzlichen Idee wollen die Macher aber festhalten, berichtet Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe.

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Die Pläne für die arabische Öko-Musterstadt Masdar City sind nach der Finanzkrise erheblich bescheidener geworden. An ihrer grundsätzlichen Idee wollen die Macher aber festhalten, berichtet Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe 5/2011 (seit gestern am Kiosk oder direkt online im heise Shop zu bestellen).

Den Sparmaßnahmen zum Opfer gefallen ist unter anderem ein flächendeckendes Netz aus ferngelenkten Autos – so genannten Pods. Ursprünglich sollten die Elektrotransporter den individuellen Personenverkehr im Stadtgebiet übernehmen. Mindestens alle 200 Meter sollten dazu Pods an eigenen Haltestellen stehen und von einer Zentrale ferngesteuert die Passagiere bequem und energieeffizient ohne Zwischenstopp zum Ziel bringen. Bisher existieren aber nur zwei Pod-Stationen, die 800 Meter auseinander liegen. Dabei wird es auch bleiben. „Ein komplettes Pod-Netzwerk wäre unerschwinglich teuer“, erklärt Alan Frost, der die Entstehung der Retortenstadt als Baudirektor überwacht. Fahrräder und individuelle Strommobile vom Segway bis zum Elektroauto sollen nun die entstandene Mobilitätslücke füllen, zudem eine Regionalbahn Masdar City mit dem Flughafen und der Hauptstadt Abu Dhabi verbinden. Das Verbot von Verbrennungsmotoren bleibt für das Stadtgebiet allerdings bestehen. „Und es soll eine fußgängerfreundliche Stadt werden“, besinnt sich Frost auf die wohl sparsamste und nachhaltigste aller Fortbewegungen zurück.

Auch die Energieversorgung revidierten die Planer grundlegend: Nach aktuellen Schätzungen wird Masdar City trotz Sonnenkollektoren auf den Dächern und der nahe liegenden Zehn-MW-Photovoltaikanlage seinen Energiebedarf nicht mehr aus eigenen regenerativen Kraftwerken decken können. Angebunden an das landesweite Stromnetz bleibt die Stadt aber ein wichtiges Projekt, um das für Erdölförderstaaten schon beachtliche Klimaschutzziel – 7 Prozent Strom aus erneuerbaren Quellen bis 2020 – zu erreichen. Das 100-MW-Solarthermiekraftwerk Shams 1, über 100 Kilometer westlich von Masdar City, wird dazu im kommenden Jahr ans Netz gehen, eine 100-MW-Photovoltaik-Anlage nahe der Stadt Al Ain an der Grenze zum Oman ist geplant. In der Schublade verschwanden dagegen die Pläne, Strom für Masdar City aus Erdwärme zu gewinnen. Zu tiefe und damit zu teure Bohrungen wären nötig, um eine ausreichend hohe Tiefenwassertemperatur zu erreichen.

Inzwischen glaubt zudem niemand mehr daran, dass Masdar City vor 2025 fertig wird. Genau festlegen will sich sowieso keiner mehr, und daher werden starre Vorgaben bewusst vermieden. „Wir wollen kontinuierlich lernen, uns anpassen und unsere Vision für Masdar City weiterentwickeln“, versichert Masdar-Chef Al Jaber die neue Strategie etwas vage. (wst)