Rekord-Schwabe: Mercedes W 124 mit über einer Million Kilometer

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Von
  • Gernot Goppelt

Die Limousine der Baureihe W 124 wurde von 1984 bis 1996 gebaut.

(Bild: Daimler)

Fein säuberlich sind alle Wartungsintervalle eingetragen und mit Datum versehen. Fritz Weber kann mit seinen Scheckheften die Geschichte seines Autos rekonstruieren. "Da habe ich einen Ölwechsel gemacht, da wurde der Filter ausgetauscht, alles genau vermerkt", sagt er. Der Banker in Altersteilzeit aus Hochdorf (Kreis Biberach) steuert seine ganz eigene Geschichte bei zum "Automobilsommer", mit der im Südwesten der Erfindung des Autos vor 125 Jahren gedacht wird.

Weber präsentiert weder einen seltenen Oldtimer noch einen rasanten Sportwagen. Sein Auto ist vom Typ "biedere Familienlimousine". In einem Autohaus in Biberach, wo das Fahrzeug ausgestellt ist, fällt es zunächst kaum auf. Zwischen all den Neuwagen glänzt auch diese Mercedes-Benz-E-Klasse. Ein Blick auf den Tachometer suggeriert: erst 3524 Kilometer gelaufen? Falsch: die erste Ziffer fehlt, es sind 1.003.524 Kilometer.

Erstaunlich leise klackert der 3,0-Liter-Diesel im Innenraum, als Weber den Wagen anlässt, um ein paar Runden über das Gelände des Autohauses zu fahren. Zugelassen ist der Wagen nicht mehr, Weber hat sich gerade ein aktuelles Modell des schwäbischen Autokonzerns gekauft. "Jedes Auto hat sein eigenes Feeling", sagt der 60-Jährige und geht in die Bremsen, um zu beweisen: Sein Wagen wäre auch auf der Straße keine Gefahr. "Sehen Sie, sie höret nichts", kommentiert er.

1985 folgte das beliebte T-Modell der Baureihe.

(Bild: Daimler)

Die Baureihe W 124 gilt als sogenannter Youngtimer – noch nicht ganz Oldtimer, aber auch nicht mehr Durchschnittsgebrauchtwagen. Rund 2,5 Millionen Stück wurden nach ADAC-Angaben hiervon produziert. Als sich der ehemalige Geschäftsstellenleiter der örtlichen Sparkasse das Auto vor 22 Jahren kaufte, wollte er es wie die Vorgängermodelle einige Jahre fahren, um dann wieder auf einen Neuwagen zu wechseln. Das Durchschnittsalter der Autos die heute auf Deutschlands Straßen unterwegs sind, beträgt 8,3 Jahre, hat das Kraftfahrt-Bundesamt ermittelt.

"Ich bin jeden Tag so um die 100 Kilometer gefahren, und dann noch mit dem Wohnwagen in den Sommerurlaub", sagt Weber. Keine außergewöhnlich langen Strecken also. Nach 200.000 Kilometern gönnte er dem Wagen ein kleines "Facelifting", glich Scheinwerfer und Motorhaube an die nachfolgende Modellgeneration an. Doch der Motor und alle anderen wesentlichen Teile blieben.

Das Cabrio wurde von 1987 bis 1996 gebaut.

(Bild: Daimler)

Weber gab das Auto an einen seiner Söhne weiter. "Ein bisschen drum gekümmert habe ich mich trotzdem", gesteht er und geht mit seinem Finger am makellosen Lack des Kofferraums entlang. "Den Ölwechsel und so was habe ich selbst besorgt." Und natürlich die Autowäsche, einmal pro Woche – "mindestens". Roststellen wurden sofort beseitigt, "unnötige Kurzstrecken", wie der grauhaarige Pensionär sie nennt, vermieden.

Bei 400.000 Kilometern wollte Weber es dann wissen. Sein Sohn stieg auf ein anderes Auto um, der Vater übernahm wieder das alte. "Die halbe Million wollte ich dann schon knacken." Langsam tastete sich der 60-Jährige dann an die Million heran. Am 9. März 2011 war es so weit: "Da hat's Champagner gegeben", sagt Weber.

Joachim Dünkel, der Geschäftsführer des Biberacher Autohauses, muss schmunzeln: "Ein solches Auto in dem Alter habe ich noch nicht gesehen." Die meisten Kunden wechselten ihren Wagen nach rund 80.000 bis 120.000 Kilometern, sagt er. "Und schauen Sie sich mal die Sitze an und wie Herr Weber einsteigt." Tatsächlich: Der 60-Jährige stützt sich zuerst mit seiner Hand an der Rückenlehne ab, um nicht zu stark über den Stoff zu scheuern. Weber ist sich dennoch sicher: "Es ist nicht so, dass ich ein Autofreak wäre." (dpa) (ggo)