Cisco: Wer freut sich auf´s Büro?

"Der größte Kostenblock in einem Unternehmen sind nicht die Mitarbeiter, sondern die Fehlentscheidungen des Managements." Warum fällt heise-resale-Kolumnisten Damian Sicking gerade dieser Satz ein, wenn er an die aktuelle Situation bei Cisco denkt?

vorlesen Druckansicht
Lesezeit: 4 Min.
Von
  • Damian Sicking

Cisco-Chef John Chambers

(Bild: Cisco)

Liebe Cisco-Mitarbeiter und –Mitarbeiterinnen,

eine neuere Studie hat ergeben, dass viele Arbeitnehmer gerne zur Arbeit gehen. Allerdings frage ich mich, ob für diese Studie auch Sie befragt worden sind, liebe Cisco-Mitarbeiter und -Mitarbeiterinnen. Vermutlich nicht, denn sonst wären die Ergebnisse wohl nicht so gut ausgefallen.

Denn wie man hört, ist die Stimmung in der Cisco-Belegschaft schon seit Monaten nicht mehr so toll. Der Grund dafür sind natürlich die aus Sicht des Managements und der Börse unbefriedigenden Geschäftszahlen (Moment mal: "unbefriedigende Geschäftszahlen"? Im vergangenen Quartal lag die Nettoumsatzrendite noch immer über zehn Prozent! Solche Probleme hätten andere Firmen auch gerne.) und der daraus resultierende Druck auf alle Abteilungen. Nachdem vor Wochen die Entscheidung Ihres CEOs John Chambers, den erst vor zwei Jahren erworbenen Kamerahersteller Flip dicht zu machen und die 500 Flip-Mitarbeiter zu entlassen, für Unruhe sorgte, folgte jetzt der nächste Schock: Es sickerten Gerüchte durch, dass Chambers 10.000 Arbeitsplätze streichen will, was immerhin 14 Prozent der gesamten Belegschaft entspricht. Diese Nachricht dürfte bei Ihnen, liebe Cisco-Mitarbeiter und -Mitarbeiterinnen sicher nicht dafür gesorgt haben, dass Sie morgens gerne und bis in die Haarspitzen motiviert an Ihre Arbeitsplätze eilen. Schlechte Laune, miese Stimmung – das dürfte wohl eher Ihre aktuelle Gemütslage widergeben.

Ich kann mir gut vorstellen, dass Sie stinksauer sind. Stinksauer vor allem auf John Chambers und das gesamte Top-Management. Denn einmal mehr müssen die Mitarbeiter für die Fehler der Führungsmannschaft bezahlen. Dass Chambers selbst eigene Fehler öffentlich eingesteht, ist nur eine Geste für die Galerie und macht die Sache nicht besser. Für ihn bleiben seine Fehlentscheidungen folgenlos, schlimmstenfalls muss er auf ein paar Millionen Dollar Boni verzichten. Im Prinzip sagte Chambers nichts anderes als: "Ich habe Mist gebaut, das tut mir leid. Aber ich mach es wieder gut und schmeiße zur Buße ein paar tausend Leute raus." Mir fällt dazu wieder ein sehr treffender Satz des Unternehmensberaters Cay von Fournier ein. In seinem Buch "Die 10 Gebote für ein gesundes Unternehmen" schreibt er: "Der größte Kostenblock in einem Unternehmen sind nicht die Mitarbeiter, sondern die Fehlentscheidungen des Managements." Tja, das Dumme ist nur: Das Management kann zwar entscheiden, Sie in die Wüste zu schicken, liebe Cisco-Mitarbeiter und -Mitarbeiterinnen, aber Sie können nicht entscheiden, das Management in die Wüste zu schicken.

Nun gut, was nützt das Jammern und Lamentieren? Es ändert nichts daran, dass einige von Ihnen das Kapitel Cisco bald hinter sich haben. Kann ja auch eine Chance sein, nämlich eine Chance, etwas Neues, vielleicht sogar etwas Eigenes zu machen. Selbst die Arbeitslosigkeit muss nicht das schlimmste Schicksal sein. Denn wer glaubt, dass jeder Job besser sei als keiner, der irrt. Das haben australische Forscher gerade herausgefunden, wie vor kurzem die Apotheken-Umschau berichtete. Die australischen Wissenschaftler haben festgestellt, dass die Probanden in einem miesen Job noch unglücklicher waren als in der Arbeitslosigkeit. Auch mal eine interessante Erkenntnis. (Keine Ahnung, ob und wie viele Cisco-Mitarbeiter bei dieser Studie beteiligt waren.)

Ich frage mich, ob sich nicht auch Cisco-Chef Chambers mal eine Auszeit gönnen sollte. Dann muss er sich auch nicht mehr über seine schlechten Entscheidungen ärgern.

Beste Grüße!

Damian Sicking

Weitere Beiträge von Damian Sicking finden Sie im Speakers Corner auf heise resale ()