PIMRC 2005: Vielfalt der Mobilfunksysteme nimmt weiter zu
Das "16. Annual IEEE International Symposium on Personal Indoor and Mobile Radio Communications", das in Berlin tagt, befasst sich mit dem Mobilfunk der 4. Generation "4G" oder "B3G" (Beyond 3G).
Wimax, HSDPA, WLAN, UWB, MIMO, OFDM -- das sind einige der Schlagworte, die bis zum Mittwoch die Diskussionen von Fachleuten aus aller Welt auf dem 16. Annual IEEE International Symposium on Personal Indoor and Mobile Radio Communications (PIMRC 2005) unter dem Berliner Funkturm beherrschen. Ihnen werden die rund 700 Teilnehmer in elf parallelen Veranstaltungsreihen folgen. Aus 890 eingereichten Beiträgen wurden 470 Vorträge ausgewählt. Veranstaltet wird der Mobilfunkgipfel vom IEEE gemeinsam mit seinem deutschen Gegenstück, dem 34.000 Mitglieder zählenden Verband der Elektrotechnik, Elektronik, Informationstechnik (VDE). "Der Trend wird in Richtung von noch mehr Vielfalt gehen", erklärte Tagungsleiter Bernhard Walke von der RWTH Aachen zum Auftakt der internationalen Konferenz, die erstmals in Deutschland stattfindet. "Das hängt auch damit zusammen, dass der Markt riesig ist und so viele verschiedene Systeme trägt", begründet Walke seine Prognose.
Auf dem europäischen Mobilfunkmarkt ist Deutschland nach Angaben des VDE führend. Ende Juni gab es hier mit einer Marktdurchdringung von knapp 90 Prozent mehr als 74 Millionen Handykunden, die einen Gesamtumsatz von 5,4 Milliarden Euro generierten. Die vier Mobilfunknetzbetreiber Vodafone D2, T-Mobile, E-Plus und O2 Germany investierten im vergangenen Jahr rund 2,3 Milliarden Euro in Sachanlagen, wovon der überwiegende Teil in den Ausbau der UMTS-Infrastruktur ging.
Die im Lizenzvertrag geforderte UMTS-Funkversorgung von 50 Prozent der Bevölkerung bis Ende 2005 werde mit den bereits installierten 60.000 Basisstationen inzwischen weit übertroffen. Jetzt wird der Durchbruch in der Akzeptanz von UMTS für den täglichen Gebrauch vom bevorstehenden Weihnachtsgeschäft erwartet. Den gestiegenen Ansprüchen an die breitbandige Kommunkation soll die Erweiterung von UMTS mit dem High Speed Downlink Packet Access (HSPDA) mit mittleren Download-Geschwindigkeiten von 4 bis 5 Mbit/s und der Enhanced Uplink Channel (EUCH) mit 1 bis 1,5 Mbit/s im Uplink Rechnung tragen.
Aber auch UMTS werde wohl auf längere Sicht -- nach 2009 -- ein Generationswechsel bevorstehen, an dem die Forscher heute schon unter Kürzeln wie "4G" oder "B3G" (Beyond 3G) arbeiten. Derzeit setzt der UMTS-Standard noch Spreizbandtechniken zur Übertragung ein. "Hier wird man zu einem OFDM-Vielträgersystem gehen, ähnlich wie es DSL auf den Telefonleitungen heute verwendet", schätzt Walke.
Allerdings nimmt weltweit die Zersplitterung der eingesetzten Funkstandards zu. In Europa gibt es UMTS und seine Erweiterungen; China, wo die 3G-Systeme noch nicht zum Zuge kamen, bereitet das "863FuTURE"-Projekt vor. In Korea setzt man zum einen auf das Terrestrische Digital Multimedia Broadcasting (T-DMB) und zum anderen auf WiBro. Diese Wimax-Variante ist eng mit dem Standard IEEE 802.16e verwandt. KĂĽrzlich hatte Samsung auf dem koreanischen 4G-Forum 2005 WiBro-Handovers bei 60 km/h demonstriert.
In Japan ist "Super-3G" in der Diskussion. Damit die Vielfalt nicht zur Belastung für die weltreisenden Kunden wird, müssen künftig "Chamäleon-Schnittstellen" für die Interoperabilität des Handys mit den unterschiedlichen Funknetzen sorgen. An solchen Multi-Standard-Schnittstellen wird in Europa im Rahmen des "Information Society Technology"-Programms (IST) der EU gearbeitet, die mobilen Terminals im Nahbereich bis zu 1 Gbit/s und im Fernbereich bis zu 100 Mbit/s zur Verfügung stellen sollen. Schon das Internet habe die Welt der Kommunikation dramatisch verändert, erklärte Walke -- "vom drahtlosen Breitband-Internetzugang erwarten wir noch einmal einen Turbo-Schub für die Wirtschaft".
Weitere Informationen zum Thema auf heise mobil:
- Die Pläne der Industrie für die neuen Funknetze schildert der Artikel Generationenvertrag.
- Mit der Frage, welche Impulse die Wimax-Technologie dem Markt fĂĽr das mobile Internet geben kann, setzt sich der Beitrag Konkurrenzwellen auseinander.
- Das Für und Wider des Ultrabreitband-Funks (UWB) fasst der Beitrag UWB: Störer oder Helfer? zusammen.
(Richard Sietmann) / (ssu)