Kartellwächter richten ihre Blicke auf Longhorn

Schon während der Entwicklung des kommenden Microsoft-Betriebssystems wollen die Wettbewerbshüter dafür sorgen, dass es nicht gegen die außergerichtliche Einigung im US-Kartellverfahren verstößt.

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Das US-Justizministerium und Staatsanwälte der beteiligten Bundesstaaten haben in einer Eingabe der Richterin Colleen Kollar-Kotelly ihre Pläne geschildert, wie sie dafür sorgen wollen, dass das Betriebssystem nicht gegen Auflagen in der außergerichtlichen Einigung im Kartellverfahren vom November 2001 verstößt. So solle Longhorn laut Seattle Times ein Bedienfeld enthalten, das es Nutzern leicht macht, einen anderen Web-Browser und Mediaplayer als die von Microsoft angebotene Software zu nutzen. Mitte Februar wollen sich die Wettbewerbshüter mit Microsoft-Vertretern treffen, um über ihre Pläne zu sprechen.

20 Software-Ingenieure sollen bei der Dokumentation von Kommunikationsprotokollen helfen, damit diese Microsoft-Konkurrenten zugänglich gemacht werden können, heißt es weiter. In dem Bericht an die Richterin wird konstatiert, Microsoft halte sich bis auf "nicht substanzielle Verstöße" an die Auflagen, doch habe das Unternehmen noch keine geeigneten Dokumente vorgelegt. Diese lägen in einem Format vor, das nur mit dem Internet Explorer betrachtbar sei und nur eine eingeschränkte Suche erlaube. Microsoft habe zugesagt, die Dokumente bis Ende Juni im PDF-Format vorzulegen. Danach müssen die etwa 5000 Seiten überprüft und überarbeitet werden. Weiter werde Microsoft ein Software-Tool entwickeln, das anderen Unternehmen dabei helfen soll, die Kommunikationsprotokolle bei der Entwicklung eigener Anwendungen zu verwenden.

Die im November 2002 von Kollar-Kotelly akzeptierte außergerichtliche Einigung vom November 2001 enthielt unter anderem die Auflage, dass Microsoft PC-Herstellern größere Freiheiten bei der Installation konkurrierender Software geben und sicherstellen muss, dass die Software von Mitbewerbern reibunglos mit Software aus dem eigenen Haus zusammenarbeitet. Die notwendigen technischen Informationen, beispielsweise Software-Schnittstellen für Middleware-Produkte und Server-Protokolle, müssen gegenüber dem jeweiligen Wettbewerber offen gelegt werden. Nach jüngsten Informationen soll Longhorn 2006 erscheinen. (anw)