Erster modernisierter GPS-Satellit erfolgreich positioniert
"GPS 2R-M1" ist der Vorbote für eine Satellitenserie, die Präzision und Verlässlichkeit des vom US-Militär betriebenen Positionierungssystems verbessern sollen. Er sendet neben zwei neuen Signalen für das Militär auch ein weiteres ziviles.
Der Satellit "GPS 2R-M1" ist ist erfolgreich ins Weltall gebracht und auf seiner Umlaufbahn positioniert worden, wo er an der Position "Plane C, Slot 4" die Aufgaben des Satelliten GPS 2A-20 übernimmt, der sich dort seit Mai 1993 befand. Der neue Erdtrabant ist nach Angaben seines Erbauers Lockheed Martin das erste Exemplar eines modernisierten Baumusters, der mit seinen zukünftigen Pendants die Präzision und Verlässlichkeit des vom US-Militär betriebenen Global Positioning System (GPS) verbessern soll. Die modifizierte Satellitengeneration namens "GPS IIR-M" (M für "modernised") verfügt nach Angaben des Rüstungskonzerns über eine gegenüber den Vorläufern verbesserte Antennenanlage und sendet darüber hinaus drei neue Signal-Typen aus.
Zwei Signale dienen der militärischen Nutzung: Sie sollen die Präzision der Standortbestimmung erhöhen, eine stärkere Signalverschlüsselung ermöglichen und verbesserten Schutz des GPS vor Störversuchen ("jamming") bieten. Ein neues zusätzliches Signal für die zivile Nutzung wird auf einer separaten Frequenz abgestrahlt werden. Lockheed Martin hat nach eigenen Angaben insgesamt 21 Satelliten des Vorläufertyps "GPS 2R" hergestellt, von denen bislang 14 ins Weltall befördert worden sind. Vor fünf Jahren habe das Militär die Aufrüstung der Satelliten beschlossen. Die Modifikationen lassen sich Lockheed zufolge bei den noch auf der Erde befindlichen GPS-2R-Satelliten durchführen, ohne deren Struktur verändern zu müssen. Die modernisierten Trabanten sollen mit einem Startgewicht von 4545 Pounds (2060 kg) ihre Vorläufer um lediglich 60 Pounds (gut 27 kg) übertreffen.
Ein zweiter modernisierter Satellit soll zu Beginn des kommenden Jahres ins All gebracht werden. Zur Festlegung seines genaue Starttermins müssten noch erste Erfahrungen mit seinem jetzt gestarteten Artgenossen ausgewertet werden. Lockheed Martin zufolge befinden sich derzeit 24 GPS-Primärsatellliten und mehrere Backup-Trabanten in sechs Orbital-Gruppierungen im All. Derzeit seien 28 Satelliten in Betrieb. Die US-Luftwaffe hatte die ersten Satelliten 1989 ins All gebracht. Das auf dem Luftwaffenstützpunkt Schriever in Colorado stationierte Air Force Space Command's 2nd Space Operations Squadron (2SOPS) organisiert Lockheed zufolge die Stationierung der Satelliten und verantwortet auch den Betrieb von GPS sowohl für die militätrische als auch die private Nutzung.
Während des Irak-Kriegs 2003 wurde angenommen, dass die GPS-Signale für zivile Anwendungen gestört werden könnten, doch traten diese Befürchtungen nicht ein. Am Neujahrstag hatte der Defekt eines Satelliten zu Problemem bei der Positionsbestimmung -- mit teils grotesken Messergebnissen wie der GPS-Bestimmung eines Wohnhauses mit 230 km/h in 14000 m Höhe -- geführt. Jüngst in Deutschland kursierende Überlegungen, GPS im Umfeld von Atomkraftwerken zu stören, um sie so vor Flugzeug-Attentaten zu schützen, erweisen sich bei näherer Betrachtung als undurchführbar: Um Gebäude dieser Größe zu "verstecken", müsste der GPS-Empfangsbereich in einem Areal mit mindestens 100 Kilometern Durchmesser um jedes Kraftwerk herum gestört werden, was angesichts der Verteilung der AKW-Dichte in der Bundesrepublik GPS-basierte Anwendungen wie Straßennavigation, Luftfahrt oder die Lkw-Maut landesweit lahm legen würde. Für das europäische Galileo-Projekt zur satellitengestützten Navigation befinden sich die ersten Experimental-Satelliten gerade im Test. Technische Details und den politischen Hintergrund von Galileo beschreibt der Artikel Doppelt eingedeckt auf heise mobil. (ssu)