Formel 1: Nick Heidfelds Karriere vor dem Ende?
183 Rennen, kein Sieg und nun ausrangiert: Nick Heidfelds Abgang von der Formel-1-Bühne nach über zehn Jahren hinterlässt einen bitteren Beigeschmack. Kaum einer rechnet damit, dass der Mönchengladbacher bei seinem persönlichen Heimrennen im nahe gelegenen Spa-Francorchamps überhaupt an der Strecke erscheinen wird. Wie es weitergeht mit „Quick Nick“, weiß auch niemand. Der 34-Jährige selbst äußerte sich zunächst noch nicht. Sein Management ist seit ein paar Tagen nicht zu erreichen.
Auf seiner Homepage lächelte Heidfeld auch am Donnerstagvormittag seine Fans noch im Lotus-Renault-Dress an. Seinen Rennoverall wird er an diesem Wochenende beim Großen Preis von Belgien aber nicht brauchen. Neben Witaly Petrow wird Bruno Senna im Renault Platz nehmen. Das teilte der Rennstall am Mittwochabend in einer sechszeiligen Presseerklärung mit.
Es ist der Brasilianer mit dem berühmten Nachnamen, der Neffe des 1994 tödlich verunglückten dreimaligen Weltmeisters Ayrton Senna. Angeblich soll Bruno Senna, der sein bislang letztes von insgesamt 18 Rennen im Finale der vergangenen Saison bestritt, Sponsorengelder mitbringen. Auf ähnliche Weise war vor der laufenden Saison auch Nico Hülkenberg sein Cockpit bei Williams losgeworden.
Bei Heidfeld deutete sich das Ende an, wenngleich es erstmal gut anfing. Bei seinem Testeinsatz erzielte Heidfeld die Tagesbestzeit. „Wir haben Nick eine Chance vergangene Woche in Jerez gegeben und er hat uns wirklich beeindruckt“, sagte Teamchef Eric Boullier damals. Für Heidfeld war Renault der Rettungsanker: In der vergangenen Saison hatte er sich nur noch als Testfahrer für Mercedes und Pirelli über Wasser halten können. Platz 3 in Malaysia nährte dann bei Heidfeld und Lotus Renault die Hoffnungen auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit.
„Er hat nicht die Führungsrolle angenommen, die wir von ihm sehen wollten“, wurde Boullier dann aber zitiert, nachdem die Erfolge ausblieben. Allerdings liegt Heidfeld in der WM-Wertung mit zwei Punkten mehr auf dem Konto vor Teamkollege Petrow. Doch auch das passt in die Karriere des Rheinländers, der mit seiner Familie am Zürich-See lebt, ein Faible für Kunst hat und sich während seiner Laufbahn stets als sympathisch-ruhiger Vertreter der sonst gern selbstdarstellerisch-lauten Zunft präsentierte. Sportlich konnte er sich gegen Fahrer wie Kimi Räikkönen (2001) oder auch Felipe Massa (2002 und 2003) durchaus behaupten, Heidfeld musste aber meist um seine Zukunft zittern.
Nachdem er bei Williams erst fünf Minuten vor der Vorstellung über sein Stammcockpit informiert worden war, schien der Traum vom ersten Sieg mit dem BMW-Sauber-Team realisierbar. Letztlich kann Heidfeld aber nur auf insgesamt acht zweite Plätze zurückschauen. Weitere fünfmal schaffte er es auf Rang drei. (Von Jens Marx, dpa)
Update
Nick Heidfeld hat gegen seine Absetzung durch das Lotus-Renault-Team rechtliche Schritte eingeleitet. "Ich habe einen gültigen Vertrag und möchte fahren. Im Moment gibt es ein schwebendes Verfahren, dementsprechend ist es angebracht für mich, nicht zuviel zu sagen", erklärte Heidfeld am Donnerstag Nachmittag in Spa-Francorchamps. Lotus-Renault schickt anstelle des 34-jährigen Mönchengladbachers beim Großen Preis von Belgien den Brasilianer Bruno Senna an den Start. Nach einer Vorverhandlung am Mittwoch wird am 19. September in London die Hauptverhandlung stattfinden. Dann werde es eine Entscheidung geben, sagte Heidfeld. (dpa) (mfz)