Telekom-Chef: Verkauf an AT&T beste Lösung

Die Entscheidung der US-Kartellwächter, gegen den Verkauf von T-Mobile USA an AT&T zu klagen, bedeute nicht das "Aus" für seine Pläne, meint René Obermann und will zusammen mit dem US-Konzern für das Geschäft kämpfen.

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Telekom-Chef René Obermann hat sich noch einmal für den Verkauf der US-Mobilfunktochter an den Branchenriesen AT&T stark gemacht. In einem internen Mitarbeiterbrief bezeichnete er am Donnerstag die geplante Transaktion als die beste Lösung für die Aktionäre, die Mitarbeiter und die Kunden. "Es ist unsere Aufgabe, gemeinsam mit unserem Partner AT&T die Behörden davon zu überzeugen", betonte der Manager. Einen Tag zuvor hatte die US-Kartellbehörde Klage gegen den geplanten 39 Milliarden US-Dollar teuren Verkauf eingereicht.

Aber diese Entscheidung bedeute nicht das "Aus" für die Transaktion, betonte Obermann in dem Brief, der der Nachrichtenagentur dpa vorlag. Die Telekom werde nun mit Nachdruck ihre Position vor Gericht vertreten und gleichzeitig mit der Behörde konstruktiv verhandeln. "Wir stehen zu unserem Plan, unser US-Geschäft an AT&T zu verkaufen", bekräftigte Obermann. Er räumte aber zugleich ein, das die Situation nicht einfacher geworden ist.

Die US-Wettbewerbshüter hatten am Mittwoch ein klares Nein zu dem milliardenschweren Verkauf an den Telekommunikationsriesen AT&T ausgesprochen. "Wir wollen das Geschäft blockieren, um den Wettbewerb zu sichern", sagte James Cole vom Justizministerium in Washington. Mit T-Mobile würde ein Anbieter vom Markt verschwinden, der durch seine aggressiven Angebote geholfen habe, die Preise niedrig zu halten. Durch die Übernahme blieben von vier landesweit vertretenen Mobilfunkanbietern nur noch drei übrig – mit AT&T als unangefochtenem Marktführer.

Die Vorstellung von einem neuen Giganten, der den US-Telekommunikationsmarkt dominiert, ruft bei den US-Kartellwächtern Erinnerungen wach: Fast 100 Jahre lang hatte AT&T (früher als American Bell Telephone Company) den Markt beherrscht, bis die US-Regierung das Monopol Anfang der 1980er Jahr knackte. "Ma Bell" wurde in zahlreiche Regionalgesellschaften aufgespalten. Inzwischen ist allerdings wieder eine Tendenz zur Konzentration auf dem TK-Markt zu beobachten. Im Jahr 2005 wurde AT&T samt Name selbst von einer dieser abgespaltenen Regionalgesellschaften übernommen und mit weiteren Zukäufen zu alter Stärke geführt. Auch Mobilfunk-Marktführer Verizon war als "Baby Bell" gestartet.

Einer der Beschwerdeführer gegen die T-Mobile-Übernahme ist Sprint-Nextel. Der TK-Anbieter ist selbst aus der Fusion zweier Netzbetreiber hervorgegangen. Dabei hatte Sprint Glück, dass die Kartellwächter eine Fusion mit Worldcom im Jahr 2000 untersagt hatten: 2002 flog der Bilanzbetrug bei Worldcom auf, das Unternehmen ging in die Insolvenz und Konzernchef Bernard Ebbers musste ins Gefängnis.

"Das Justizministerium hat einen entscheidenden Sieg für Verbraucher, den Wettbewern und unser Land errungen", heißt es mit einigem Pathos bei Sprint-Nextel, die sich zu den größten Verlierern einer Fusion von AT&T und T-Mobile zählen dürfen. "Das Ministerium hat die Interessen der Verbraucher an erste Stelle gestellt". Entgegen der Äußerungen seitens AT&T würde die Blockade der Übernahme Jobs retten und die US-Wirtschaft insgesamt stärken. (Mit Material von dpa) / (vbr)