Studie: Digitale Content-Downloads verdrängen physischen Vertrieb

Die Medien- und Entertainment-Branche wächst im Schnitt um 6,6 Prozent jährlich, 2010 erreicht das globale Marktvolumen 1,8 Billionen US-Dollar, lauten die Vorhersagen einer Studie von PWC.

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Von
  • Sven-Olaf Suhl

Die Medien- und Entertainment-Branche (M&E) wächst in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts im Schnitt um 6,6 Prozent jährlich, 2010 erreicht das globale Marktvolumen 1,8 Billionen US-Dollar, lautet eine zentrale Vorhersage der Marktforscher von PricewaterhouseCoopers (PWC) in ihrem nun vorgstellten Report Global Entertainment and Media Outlook: 2006-2010. Die Analysten erwarten, dass elektronische Vertriebsformen von Unterhaltungscontent, darunter Musik, Filme und Spiele, den physischen Vertriebswegen (Geschäfte, Versandhandel) zunehmend das Wasser abgraben werden: 2005 habe der weltweite Online-Umsatz 19 Milliarden US-Dollar betragen, 2010 soll das Marktvolumen 67 Milliarden US-Dollar erreichen. Beflügelt wird der Online-Vertrieb PWC zufolge zum einen durch Breitbandnetze, die etwa das Herunterladen oder Streamen hochauflösender Filme begünstigen, und zum anderen durch eine wachsende Verbreitung von Mobiltelefonen mit Datenübertragungsfunktion.

Mit erwarteten 2,8 Milliarden Mobilfunkanschlüssen zum Ende des Jahrzehnts liegt die PWC-Schätzung leicht unterhalb anderer Vorhersagen zum Handy-Boom oder einer Prognose des Handy-Branchenprimus Nokia, die für 2010 von drei Milliarden Handy-Nutzern ausgeht. Handys der nächsten Generation, mit leistungsfähigen 3D-Grafikfunktionen, zum Beispiel von der ATI-Neuerwerbung Bitboys, sind schon in der Pipeline und werden laut PWC zu einem Nachfrageschub bei mobilem Gaming sorgen. Dagegen sank die Wachstumsrate bei Spielekonsolen im letzten Jahr mit 3,3 Prozent auf das niedrigste Niveau seit Jahren – einen Wachstumsschub sollen leistungsfähigere Geräte bringen.

Unter den Weltregionen bleibt der asiatisch-pazifische Raum die mit den höchsten Wachstumsraten – begünstigt durch die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung und den Ausbau der Übertragungsnetze. Dank dem weltweit größten Durchschnittswachstum (9,2 Prozent jährlich) soll das M&E-Marktvolumen dort im Jahr 2010 auf 425 Milliarden US-Dollar anwachsen. 2009 wird die Volksrepublik China Japan als größten M&E-Einzelmarkt überholen, sagt PWC voraus. Platz zwei im weltweiten M&E-Wachstum wird in den nächsten fünf Jahren an die EMEA-Region (Europa, Naher Osten und Afrika) gehen, angeführt von Wachstumsimpulsen aus Russland und den jungen EU-Staaten im östlichen Europa. Südamerika wird mit Wachstumsraten um 8,5 Prozent Ende des Jahrzehnts M&E-Umsätze von 60 Milliarden US-Dollar erreichen.

Für die Wirtschaftszweige Internet Advertising und Access Spending sagt PWV weltweit 12,9 Prozent durchschnittliches Jahreswachstum voraus – entsprechend einem Zuwachs des Marktvolumens von 144,5 Milliarden auf 265,6 Milliarden US-Dollar 2010. Dabei werde der US-Markt von 40 Milliarden auf 60 Milliarden US-Dollar 2010 mit 8,4 Prozent langsamer wachsen als der EMEA-Markt von 49,5 Milliarden US-Dollar auf 83,4 Milliarden US-Dollar (11,0 Prozent). Asien-Pazifik wird mit 17,9 Prozent Wachstum ausgehend von 48,4 Milliarden US-Dollar 2005 die alte Welt abhängen und zum Ende des Jahrzehnts ein Marktvolumen von 110,3 Milliarden US-Dollar für Internet-Werbung und -Zugänge erreichen. Dabei entfällt der Löwenanteil der Zuwächse auf China – ohne die Volksrepublik wächst der asiatisch-pazifische Raum lediglich um 8,3 Prozent im Jahr, prognostiziert PWC. (ssu)