BMW: Mehr Vorsprung durch mehr Technik?

BMW ist es ein ständiges Anliegen, immer ganz vorne dabei zu sein in Sachen Hightech. Dieser Tage beriet man über Informations-Butler im Armatu­renbrett, Bedien­konzepte und optimierte Routenplanung.

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München, 6. Oktober 2011 – Die bestimmt langweiligste, aber vielleicht wichtigste Neuerung in BMWs Technikplanung ist die Dämmung, die intelligente Verwaltung der Informationsflut, die in zunehmendem Umfang auf den Fahrer einplätschert. Die nächsten Generationen der Infotainment-Systeme sollen zum Beispiel Feeds aus verschiedenen sozialen Netzwerken (Facebook, Twitter...) anzeigen. Wer die hilflosen iPhone-Glotzer kennt, die schon als Fußgänger zwanghaft jedes Statusupdate lesen, während sie über rote Ampeln rennen, der hat eine gute Vorstellung einer solchen Problematik im Auto. BMWs Software-Abteilung hat hierzu den "Infotainment Assistenten" konstruiert, eine Sammlung von Techniken aus der Expertensystem- und KI-Programmierung, die wie ein Butler in einem BMW-Prototypenfahrzeug mitdenkend dafür sorgt, dass der Fahrer sich möglichst wenig sorgen muss und dass er ihm stets nur die nötigsten, besten Informationen serviert.

So kennt der Butler zum Beispiel den Terminkalender genauso wie die Daten aus dem Navigationssystem. Wenn ein Termin uneinhaltbar scheint, kann er automatisch eine entschuldigend informierende E-Mail an die restlichen Teilnehmer des Treffens schicken. Genauso informiert er in die andere Richtung den Fahrer, wenn sich ein Termin nach hinten verschiebt: "Sie haben jetzt mehr Zeit." Der Assistent gibt seine Informationen über Text-to-Speech aus, damit die Augen des Fahrers bei der Sache auf der Straße bleiben können. Er liest auf Wunsch auch Dinge aus den Social-Feeds vor, wobei er anhand des Verhaltens seines Herrn schnelle Anpassungen an der Gewichtung von Informationen vornimmt. Im Prinzip ist es dabei möglich, fast das gesamte Kommunikationsrauschen ("Ich geh aufs Klo, hihi ;-)") aus einem Datenstream herauszufiltern. Noch einfacher bleibt natürlich: Im Auto mal Ruhe bewahren vor den ständigen Status-Updates. BMWs Marketing-Dichter fassen diese Problematik in einem wunderbaren Oxymoron zusammen: "Informationen aus Communitys wie beispielsweise Twitter werden dabei mittels Text-to-Speech über die Lautsprecher ausgegeben, um den Fahrer möglichst wenig von der Fahraufgabe abzulenken."

BMW: Mehr Vorsprung durch mehr Technik? (7 Bilder)

Ein Software-Assistent soll zukünftig vorausschauend wie ein Butler Daten und Unterhaltung servieren.

(alle Bilder: BMW)

Wesentlich interessanter erscheint hier die Fähigkeit des Butlers, als personalisierter DJ der Auto-HiFi-Anlage zu arbeiten: Er stellt eine dynamische Playlist aus Empfehlungen der Kontakte aus sozialen Netzen zusammen -- gute Idee, wenn man denselben Musikgeschmack hat wie ein Großteil seiner Kontakte. Den gesamten Informationsstrom beeinflusst der Fahrer durch ein Skippen wie bei Audio oder gar einer aktiven Ablehnung, damit das System bitte nie mehr Celine Dion vorschlägt. Jede dieser Eingaben hilft dem Butler, künftig besser zu filtern. Außerdem kennt er das für Menschen so wichtige Konzept des Kontexts: Morgens auf dem Weg zur Arbeit will ich eher Nachrichten und Termine, abends will ich den King aus dem Soundsystem hören. Der Fahrer erstellt dabei beliebig viele Kontexte, innerhalb derer sich der Assistent dann weiter anpasst. Natürlich braucht kein Mensch Twitter-Geplapper im Auto, denn es reicht zur Ablenkung ja schon das Gebrabbel von den Passagiersitzen. Aber manch ein Kunde wird solche Systeme eben wollen und auch bezahlen. Und dann ist so ein Assistent nach Kein-Zusätzliches-Geplapper-Haben die nächstbessere Lösung.