Saab wird von zwei chinesischen Firmen übernommen [Update]

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Der Autohersteller Saab ist in allerletzter Minute durch zwei chinesische Unternehmen vor der drohenden Pleite gerettet worden. Wie der Zwangsverwalter Guy Lofalk am Freitag in einem Schreiben an das zuständige Gericht im schwedischen Vänersborg mitteilte, übernehmen der Pekinger Autohersteller Youngman und das Großhandelsunternehmen Pang Da sämtliche Anteile an Saab. Im Laufe des Freitags sollen weitere Einzelheiten bekannt gegeben werden.

Lofalk zog seinen Antrag auf Abbruch des laufenden Sanierungsverfahrens zurück, über den das Gericht bis zum Nachmittag entscheiden wollte. Bei einem Abbruch wäre die Insolvenz für das Unternehmen mit 3500 Beschäftigten unausweichliche Folge gewesen. Nach Angaben des Rundfunksenders SR zahlen Youngman und Panga Da dem bisherigen niederländischen Saab-Eigner Swan (Swedish Automobile N.L.) 100 Millionen Euro. Die Produktion im Stammwerk Trollhättan steht seit April wegen Geldmangels und hoher Schulden still. Saab hat derzeit auch keine Mittel, um die fälligen Restlöhne und -gehälter für Oktober zu überweisen.

[Update, 28. Oktober 2011 – 17:00 Uhr:

Ob 3500 Autobauer im westschwedischen Trollhättan aber demnächst tatsächlich ihre hochwertigen und nicht ganz billigen Autos wieder fertigen können, ist lange nicht sicher: Neben General Motors als Ex-Eigner müssen auch noch chinesische und schwedische Behörden sowie die Europäische Investitionsbank (EIB) grünes Licht geben. Bis dahin ist die Übernahme aus China nur eine Absichtserklärung.

Dass ausgerechnet der niederländische Saab-Chef Victor Muller am Freitag die „nun endgültig gelungene Rettung“ vor Journalisten feierte, während sich die künftigen Alleineigner weder in Schweden noch daheim in China über ihre Pläne äußerten, mutete seltsam an. „Wir können jetzt endlich all unsere Pläne verwirklichen“, verkündete Muller von Amsterdam aus, als sei er noch Herr des Verfahrens. Obwohl er als Vertreter des bisherigen Saab-Eigners Swan (Swedish Automobile N.L.) eigentlich eher dem nackten Mann glich, dem niemand in die Tasche greifen kann.

Swan hatte nach fast sieben Monaten Produktionsstillstand in Trollhättan noch nicht mal Mittel, um eine Woche Restlöhne und -gehälter in Trollhättan auszuzahlen. Nur knapp über 10.000 Autos sind dieses Jahr in dem kleinen Städtchen nördlich von Göteborg vom Band gelaufen, weil niemand mehr die Zulieferer bezahlen konnte.

Mehrfach von Muller verkündete und dann gestrandete „Partnerschaften“ haben nichts an gähnend leeren Kassen, Stillstand der Produktion und rapidem Vertrauensverlust bei der Kundschaft geändert. Schwedens Regierung hielt sich mit Bürgschaften und anderen Hilfen betont zurück, weil Stockholm die langfristigen

Überlebenschancen des winzigen Nischen-Herstellers im globalen Konkurrenzkampf riesiger Autokonzerne als eher gering einstuft. Daran änderte auch die bisher recht erfolgreiche Zeit des heimischen Saab-Konkurrenten Volvo bei Geely in China nichts.

Nun aber doch ein neuer Anlauf mit fernöstlicher Hilfe, den die um alles in allem mehr als 10 000 Jobs in Schweden bangenden Gewerkschaften ohne Einschränkung begrüßt haben. Viel skeptischer äußerten sich unabhängige Beobachter wie der Insolvenzanwalt Rolf Åsbjörnsson in der Online-Ausgabe des Wirtschaftsblattes Dagens Industri: „Das ist alles nur eine Absichtserklärung. Und wenn ich es recht verstehe, ohne dass gleich Geld in die Kasse kommt.“ Sein Gesamturteil: „Extrem dünn.“ ] (dpa) (mfz)