Internet-Verwaltung kann Geld aus .com-Deal noch nicht verplanen
Der neue .com-Vertrag, der VeriSign Preiserhöhungen und die automatische Verlängerung des Registrybetriebs zugesteht, war von der ICANN unter viel Protest durchgepaukt worden. Genehmigt hat ihn das US-Handelsministerium bislang aber nicht.
Die verzögerte Zustimmung des US-Handelsministeriums (DoC) zum umstrittenen Vertrag mit VeriSign über den weiteren .com-Betrieb, der VeriSign Preiserhöhungen und die automatische Verlängerung des .com-Registrybetriebs zugesteht, könnte sich als finanzielles Problem für die Internet-Verwaltung Internet Assigned Names and Numbers (ICANN) erweisen. Das DoC hat immer noch die Oberaufsicht über die Internet-Verwaltung und muss letztlich alle Maßnahmen sowie Verträge, die ICANN abschließt, genehmigen.
Bei der ICANN-Vorstandssitzung in Marrakesch bat ICANNs Vorsitzender, Vint Cerf, das Finanzkomitee um eine Einschätzung, welche Auswirkungen ein Ausfall der durch den .com-Deal erwarteten Einnahmen auf ICANNs neues Jahresbudget von knapp 31 Millionen US-Dollar haben werde. Der neue .com-Vertrag war vom ICANN-Vorstand unter viel Protest am 28. Februar des Jahres verabschiedet und anschließend dem DoC vorgelegt worden. Bis heute wartet man bei ICANN auf eine Antwort.
Der Vorsitzende des Finanzkomitees der ICANN, Hagen Hultzsch, meinte, der Ausfall der durch den .com-Vertrag veranschlagten Mittel übersteige nicht die vorgesehenen Reserven der Organisation, die sich laut Plan auf rund 3,2 Millionen Dollar belaufen. "Ein Problem für den laufenden Betrieb sieht das Finanzkomitee nicht. Wir fühlen uns sicher mit diesem Budgetplan", bekräftigte Hultzsch.
ICANNs Präsident und CEO, Paul Twomey, erklärte allerdings, dass es beträchtliche Auswirkungen auf der Einnahmenseite haben würde, wenn die Mittel nicht zur Verfügung stünden. Man habe daher zur Sicherheit über Notfallmaßnahmen nachgedacht, durch die ein Ausfall der Mittel kompensiert werden könnte. Allerdings würden die Einnahmen dann wenig über denen des Vorjahres liegen; man könne dann nicht all das realisieren, was im aktuellen Budgetplan vorgesehen sein.
Über die Gründe der Verzögerung aufseiten des US-Handelsministeriums konnte oder wollte beim ICANN-Treffen niemand Auskunft geben. Twomey sagte im Gespräch mit heise online zur Frage, ob die Verzögerung ungewöhnlich sei, lapidar: "Der .com-Vertrag ist einzig in seiner Art." Ansonsten verwies er auf die zuständige DoC-Behörde National Telecommunications and Information Administration (NTIA). Von einigen Teilnehmern des ICANN-Treffens wurde die Vermutung geäußert, die Behörde wolle den Abschluss des Klageverfahrens der "Coalition for ICANN Transparency" (CFIT) abwarten. Die CFIT klagt vor einem US-Gericht gegen den .com-Vertrag, eine Entscheidung wird schon bald erwartet. Andere Beobachter mutmaßen, dass das US-Handelsministerium etwas warten wolle, "bis die Community sich beruhige".
Die Erneuerung des .com-Vertrags hatte fĂĽr groĂźe Auseinandersetzungen gesorgt. Sowohl die EU als auch der US-Kongress haben sich mit dem Vertrag befasst, von beiden Seiten gibt es allerdings keine endgĂĽltigen Stellungnahmen oder Verfahren. Als sicher gilt, dass das US-Justizministerium den Deal ebenfalls begutachtet. (Monika Ermert) / (jk)