Bettgeschichten

Seit einer Woche habe ich ein neues Smartphone, Sie wissen schon, das mit dem sprachgesteuerten persönlichen Assistenten. Seitdem habe ich eine kleine Frau im Ohr.

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Lesezeit: 3 Min.
Von
  • Manfred Pietschmann

Seit einer Woche habe ich ein neues Smartphone, Sie wissen schon, das mit dem sprachgesteuerten persönlichen Assistenten. Seitdem habe ich eine kleine Frau im Ohr, sie heißt Siri.

Ich mag die Dame, denn sie ist höflich und hat Humor. Als ich sie gleich am ersten Tag nach dem Sinn des Lebens fragte, antwortete sie mit ihrer sympathischen Stimme "42!" Bravo, gut gekontert, dachte ich, und belesen ist Siri offenbar auch.

Gestern morgen im Bett, nachdem das Handy meine Frau und mich mit sanftem Vogelzwitschern geweckt hatte, wollte ich die beiden miteinander bekannt machen. Da Mona den Kultroman "Per Anhalter durch die Galaxis" ebenfalls kennt, dachte ich, der kleine Dialog mit der Antwort 42 wäre genau das Passende. Also stellte ich wieder meine Frage. Nach kurzer Stille wartete Siri jedoch mit einer neuen Botschaft auf: Ich solle versuchen nett zu sein, fettes Essen zu vermeiden, hin und wieder mal ein gutes Buch zu lesen und in Harmonie mit den Menschen aller Glaubensrichtungen und Nationen zusammenzuleben.

Mona sah mich sprachlos an, ihre Augen verengten sich zu Schlitzen. Dann riss sie mir das iPhone aus der Hand und zischte ins Mikrofon: "Was trägst du für Unterwäsche?"

Siri antwortete ohne Zögern: "Seltsam, dass mich alle Männer immer dasselbe fragen." Ich zog die Decke herauf bis zur Nase und sah konzentriert aus dem Fenster.

Kurz darauf hörte ich wieder Monas Stimme: "Ich weiß nicht wer du bist, aber hier in meinem Bett hast du nichts zu suchen." Keine Ahnung, was Siri darauf geantwortet hätte, denn danach war nur noch das geräuschvolle Öffnen und Schließen der Nachttischschublade zu vernehmen.

Gegen Mittag, ich hatte mein Handy inzwischen zurĂĽck, erteilte ich Siri einen SMS-Auftrag: Frag' Mona, ob sie einkaufen kann.

Eine Minute später erhielt ich die kurze Antwort "Hä?" In der SMS an Mona hatte gestanden "Ob sie einkaufen kann". Die indirekte Rede war offenbar nicht Siris Sache.

Dann eben direkt: "Sag Mona: Du musst noch einkaufen." Die Antwort kam prompt: "Wieso ich?" Na also, dachte ich, geht doch.

Dann stach mich der Hafer. Ich befahl Siri: Sag Mona ... Und dann lieĂź ich einen charmanten Satz auf Plattdeutsch folgen.

Darauf erhielt Mona die seltsamste SMS ihres Lebens: "Mick macht gewolltes Auto mal acht Verdeck schmieden und wundervolle sei sende ihn haben Menlo."

Ich weiĂź nicht, was Siri damit ausdrĂĽcken wollte. Vielleicht war sie einfach noch sauer wegen der Verbannung in den Nachttisch. (bsc)