Intellectual-Ventures-Chef Myhrvold glaubt weiter an Atomkraft
Microsofts ehemaliger Forschungschef hält Kernenergie auch nach Fukushima noch für eine der sichersten Methoden, Elektrizität zu gewinnen.
Dem Mathematiker und Physiker Nathan Myhrvold eilt der Ruf eines Wunderkindes und Überfliegers voraus: Nachdem er bereits mit 23 seine Promotion abgeschlossen hatte, forschte er unter anderem bei Stephen Hawking in Cambridge an Fragen der Kosmologie und Quantenfeldtheorie. Später stieg Myhrvold zum technischen Direktor von Microsoft auf, verließ das Unternehmen 1999 und gründete kurz darauf die Erfinderfabrik Intellectual Ventures, die in der IT-Szene nicht unumstritten ist.
Im Interview mit Technology Review (aktuelle Ausgabe 12/11 seit Donnerstag am Kiosk oder online zu bestellen) erläuterte Myhrvold nun seine Philosophie: Seine Leidenschaft gelte nach wie vor der Lösung kniffliger Probleme. Eines davon sei der wachsende Energiebedarf der Welt. Um den zu decken, brauche es verdammt gute Ideen, sagt Myhrvold. Dazu gehöre auch die Atomkraft – trotz der Katastrophe von Fukushima.
"Atomkraft gehört zu den Dingen, vor denen die Leute enorm viel Angst haben", so Myhrvold. "Normalerweise können die meisten Menschen nicht sehr gut mit Wahrscheinlichkeiten umgehen. Das ist einer der Gründe dafür, dass es noch immer Spielbanken gibt." Wenn man Atomenergie aus einer objektiven Perspektive betrachte, werde klar, dass es sich um eine der sichersten Methoden handele, Elektrizität zu gewinnen, die es überhaupt gebe. "Ironischerweise hat der Fukushima-Unfall ja sogar gezeigt, wie sicher Atomkraft ist", gab sich Myhrvold überzeugt.
Zur Tätigkeit von Intellectual Ventures sagte er, sein Unternehmen investiere in Erfindungen wie ein Risikokapitalgeber. "Der lebt vom Glauben an den Erfolg eines Unternehmens, das noch nicht existiert." Von Open Innovation, also dem mehr oder weniger freien Austausch von Ideen über Firmengrenzen hinweg, hält Myhrvold dagegen wenig. "Wenn niemand uns für unsere Produkte, also geistiges Eigentum, bezahlen will, haben wir keine Geschäftsgrundlage." Natürlich gebe es Unternehmen, die sagten, Wissen solle frei verfügbar sein. "Aber die machen ihr Geld mit anderen Sachen. Google zum Beispiel verdient sein Geld mit Werbung. Wenn jemand verlangen würde, dass Werbung gratis geschaltet wird, würden die das überhaupt nicht witzig finden."
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(bsc)