Datenanalyse auf Rezeptplattformen
US-Forscher gehen im Auftrag des Militärs den globalen Nahrungsmittelpräferenzen im Internet nach – mit einem Data-Mining-Projekt auf der Rezeptplattform Allrecipes.com. Mehr als 46.000 Rezepte samt Bewertungen und Nutzerkommentaren wurden analysiert.
Forscher an der University of Michigan betreiben im Auftrag von US-Luftwaffe und US-Armee ein Data-Mining-Projekt auf der Rezeptplattform Allrecipes.com. Geleitet von dem Informationswissenschaftler Chun-Yuen Teng geht es dabei um die Ermittlung globaler Geschmackspräferenzen, um die Truppe künftig besser versorgen zu können, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe.
Dazu wurden mehr als 46.000 Rezepte aus aller Welt samt Bewertungen und Nutzerkommentaren analysiert. Das Ergebnis ist ein interessanter Einblick in die Natur des Kochens. So lassen sich beispielsweise regionale Unterschiede in der Küche feststellen, was die Kochmethoden anbetrifft. "Gekocht und gesimmert wird häufiger im Süden und im Mittleren Westen der USA. Mariniert und gegrillt wird häufiger im Westen und in den Bergregionen. Gebraten wird besonders oft im Süden und im Nordosten", sagt Teng. Mit solchen Erkenntnissen könnte das US-Militär beispielsweise Menschen aus bestimmten Regionen des Landes besser versorgen.
Aber es gibt auch noch tiefgreifendere Ergebnisse. So hegen Evolutionsbiologen schon lange die Annahme, dass das Kochen in der menschlichen Evolution eine wichtige Rolle spielte. So kann der Stoffwechsel aus mechanisch zerkleinertem Essen mehr Energie beziehen und noch mehr aus gekochter Nahrung. Wird gekocht und zerkleinert, liefert das den besten Energiegehalt. Das erleichtert wiederum die Verdauung und gibt dem Gehirn mehr "Treibstoff".
Entsprechend interessant ist deshalb die Frage, ob der Mensch spezielle Präferenzen hat, was die Zubereitung anbetrifft. Teng und seine Kollegen fanden entsprechende Hinweise, als sie sich die Bewertungen in Relation zur Zubereitung ansahen. Was sich leicht verdauen ließ, bekam auch die besseren Noten, was sich wiederum umgekehrt als Vorhersageinstrument einsetzen lässt, welches Essen besonders gut ankommt. Die Köche der US-Armee könnten damit ihren Speiseplan populärer machen.
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(bsc)