2012
Wie wird das neue Jahr? Versuch einer Prognose.
2012 ist ziemlich dĂĽster und fĂĽhlt sich nasskalt an. Der erste Eindruck ist nicht eben positiv, aber man muss ja die Jahreszeit berĂĽcksichtigen. Beurteilen wir das neue Jahr also nicht nach dem ersten Anschein, sondern versuchen wir mal, wissenschaftlicher zu denken - also aus wichtigen Trends von 2011 auf Entwicklungen von 2012 zu schlieĂźen.
Das erinnert mich zwar an einen uralten Witz: Treffen sich zwei Wahrsagerinnen. Sagt die eine: „Dir geht’s gut. Wie geht’s mir“? Aber nach Eckart von Hirschhausen sind Witze ja eine der wenigen Möglichkeiten, widersprüchliche Interpretationen der wahrgenommenen Wirklichkeit auszuhalten.
Also: 2011 - was hatten wir da? Energiewende natürlich, wegen Fukushima. Feine Sache eigentlich. Also die Energiewende - nicht die Katastrophe. Aber außer den Franzosen, die jetzt doch mal über einige Nachbesserungsmaßnahmen an ihren Atommeilern nachdenken, die anderswo bereits durch die Tschernobyl-Katastrophe von 1986 ausgelöst worden sind, und den Japanern, die nun doch nicht mehr ganz so viele Atomkraftwerke haben wollen, scheint niemand ernsthaft etwas aus Fukushima lernen zu wollen. Dazu kommt, dass die weltweite Rezession im Gefolge der Börsenkrise wird den Ölpreis nach unten treiben wird. Die Zeichen für eine Fortsetzung der Energiewende - oder gar eine Beschleunigung - stehen nicht gut.
Was noch? Ach ja, soziale Netze: Alles twittert, postet, liked und kuratiert, was das Zeug hält. In Nordafrika hat das mehrere Regierungen den Kopf gekostet - und das beileibe nicht immer nur im übertragenen Sinne. Aber Twitter, Google, Facebook, sind das nicht alles Datenkraken? Und wird das Internet nicht mittlerweile in einem Ausmaß gefiltert, mitgeschnitten und zensiert - alles mit Hilfe westlicher Hochtechnologie - dass sogar Orwell ganz schlecht geworden wäre? Wieso hat sich die segensreiche, demokratisierende Wirkung sozialer Netzwerke also grade in Nordafrika entfaltet? Und was kommt als nächstes? China? Auch diesen Trend kann ich nicht wirklich positiv werten.
Was bleibt von der Zukunft, die die Vergangenheit geschrieben hat? Marsflug? Zu teuer und diese blöden Sonden stürzen immer ab oder geraten außer Kontrolle. Künstliche Intelligenz? Na ja, der IBM-Supercomputer Watson hat zwei Jeopardy-Champions geschlagen . Aber wenn das ein Beweis für Intelligenz ist, weiß ich nicht, ob ich es wirklich will. Fliegende Autos? Zum Glück noch ganz weit weg. Die Vorstellung, der regelmäßige Stau zum Wochenende würde auch noch den Himmel verdunkeln, ist wirklich gruselig.
Ok, ok. Ich höre ja schon auf. Vielleicht ist der erste Arbeitstag des Jahres einfach kein guter Zeitpunkt, um einen positiven Ausblick auf das neue Jahr zu schreiben. (wst)