Den PG Elektrus gefahren
Man nehme das Rezept eines Tesla Roadster, namentlich ein Lotus-Chassis und Elektromotoren, lasse aber ganz nach Colin Chapman ein paar hundert kg Gewicht weg. Heraus kommt dieser Teilchenbeschleuniger
- Gregor Hebermehl
Berlin, 20. Januar 2012 – Die erste Probefahrt im Prototypen des deutschen Elektrosportwagens PG Elektrus. Ein teurer, brachialer, einzigartiger Wagen auf Basis des Lotus Elise. Schauen wir mal, was dabei herauskommt, wenn modernste deutsche Antriebstechnik und klassisch britischen Chassis-Tugenden zusammenkommen.
Amphibisch
Der PG Elektrus linst böse mit seinen Amphibien-Augen auf die Straße. Sein gigantisches Grill-Maul reißt er zu einem angriffslustigen Lächeln auf. Am Heck glühen x-förmig angeordnete LEDs, unter ihnen sitzt ein riesiger Diffusor-Block. Das Design wirkt ein bisschen sperrig, aber in seiner Konsequenz doch stimmig. Konstrukteur Michael Fröhlich hat viel gezeichnet und mit Gips modelliert und seine gesamte Erfahrung eingebracht, um seinen Traum von einem modernen, eigenständigen Sportwagen zu verwirklichen. Der 62-jährige handelt in Düsseldorf mit hochwertigen Oldtimern – wer beispielsweise ein Papst-Mobil möchte, kann sich an Fröhlich wenden. Außerdem baut der enthusiastische Mann seit 25 Jahren die Sportwagen-Ikone Phoenix Cobra und verfügt somit über einiges an Erfahrung in der Fahrzeug-Kleinserienfertigung.
Den PG Elektrus gefahren (16 Bilder)

Bissig in der Stadt: Der Prototyp des PG Elektrus
Ausgenommen
Als Basis für den Elektrus dient eine herkömmliche Lotus Elise. Diese kauft Fröhlich in England ein und baut sie an seinem Firmenstandort in Düsseldorf komplett um. Die dabei anfallenden überschüssigen Komponenten werden als Ersatzteile weiterverkauft. Zugunsten eines etwas bulligeren Auftritts hat Fröhlich den Elektrus ein paar Zentimeter breiter und länger gemacht als die Elise. Im Innenraum kommt davon freilich nichts an: Die Kabine bietet die gewohnt engen Lotus-Maße. Das Dach lässt sich nach wie vor entfernen und das Einsteigen bei geschlossenem Dach sollte kurz geübt werden. Hinterm Steuer fallen die vielen metallenen Kippschalter auf, die an Technik aus der Luft- und Raumfahrt erinnern. Der im Innenraum weitergeführte puristische Rennwagenstil wird durch einen in der Mittelkonsole positionierten und mit einem roten Abdeck-Kästchen geschützten Startknopf abgerundet.
Fahrer mit 1,88 Meter Körpergröße passen in den Elektrus. Nur die Füße auf die Pedale setzen ist ein bisschen eine Operation. Um das Gaspedal zu erreichen, muss man das rechte Bein an der Mittelkonsole vorbeischieben und den Fuß dann nach rechts wegdrehen. Wir möchten uns deshalb immer ein bisschen nach links versetzt hinsetzen. Das erinnert an Klassiker wie den Lancia Stratos oder in Sachen Enge eben an die Cobra. Was uns noch auffällt: Der Prototyp könnte stärkere Frontscheinwerfer vertragen. Die Lampen vorne sehen zwar gut aus, man sieht aber nicht gut.