Telekom-Beschäftigte entscheiden über Kompromiss zum Stellenumbau

Der Kompromiss zwischen Telekom und ver.di sieht unter anderem Verlängerung der Arbeitszeit, Absenkung der Gehälter bei Ausgleich der Einbußen für 18 Monate und eine Beschäftigungsgarantie vor.

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Von
  • Jürgen Kuri

Eine Woche nach der Einigung zwischen Telekom und Gewerkschaft ver.di über den geplanten Stellenumbau haben jetzt die Beschäftigten das letzte Wort. Am heutigen Donnerstag und am morgigen Freitag sollen rund 20.000 Telekom-Mitarbeiter in einer Urabstimmung den Kompromiss absegnen und damit das Ende des ersten Streiks bei der Telekom offiziell besiegeln. Die Gewerkschaft benötigt bei dem Urnengang eine Zustimmung von 25 Prozent. Noch am Freitagabend soll das Ergebnis bekannt gegeben werden. ver.di rechnet laut dpa mindestens mit einer Zustimmung von mehr als 50 Prozent; trotz heftiger Kritik, die unter Telekom-Beschäftigten zu hören war, möchte ver.di-Bundesvorstand Lothar Schröder gerne sogar eine Zweidrittel-Mehrheit für den Kompromiss erreichen.

Telekom und ver.di hatten nach Streiks und einem achttägigen Verhandlungsmarathon eine Lösung in der strittigen Frage der Auslagerung von 50.000 Beschäftigte in Service-Gesellschaften erzielt. Die Telekom hatte ursprünglich eine Verlängerung der Arbeitszeit von 34 auf 38 Wochenstunden und eine Absenkung der Gehälter um 12 Prozent gefordert, als Angebot während der Verhandlungen dann später die geplante Gehaltssenkung auf 9 Prozent reduziert. Laut dem erzielten Kompromiss sollen die Einkommen nun um 6,5 Prozent sinken, die Einbußen aber 18 Monate lang voll ausgeglichen werden. Außerdem wird sich in den neuen Service-Betrieben, die zum 1. Juli gegründet werden, die Wochenarbeitszeit um 4 Stunden auf 38 Stunden verlängern.

Die Hauptpunkte der Einigung im Telekom-Tarifstreit

Arbeitszeitausweitung: Die Mitarbeiter der neuen Gesellschaften müssen vier Stunden länger als bisher arbeiten. Ihre wöchentliche Arbeitszeit beträgt damit 38 Stunden. Einen Lohnausgleich gibt es nicht. Als Teil der Serviceoffensive werden von den vier Stunden 0,5 Stunden für die Qualifizierung im Service-Bereich verwendet. Der Samstag wird ein regulärer Arbeitstag.

Gehälter: Das Einkommen sinkt um 6,5 Prozent. In den ersten 18 Monaten erhalten die Mitarbeiter allerdings weiter ihren gewohnten Lohn, denn die Entgeltreduzierung wird durch einen Ausgleichsfonds abgefedert. Die Zahlungen aus dem Fonds werden dann schrittweise abgesenkt. Von 2011 an entfallen sie. Für alle Mitarbeiter der Deutschen Telekom AG gibt es 2008 eine Nullrunde.

Kündigungsschutz: Für die Beschäftigten der neuen T-Service- Gesellschaften wird der Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen bis Ende 2012 ausgeweitet. Bestehende Regelungen zur betrieblichen Altersvorsorge, Krankengeld, Sonderurlaub und Wohnungsfürsorge gelten für die Mitarbeiter laut ver.di weiter.

Verkaufsschutz: Die Service-Einheiten dürfen bis Ende 2010 nicht verkauft werden.

Neueinstellungen: Beide Seiten verständigten sich auf eine so genannte «Beschäftigungsbrücke» für Nachwuchskräfte. Diese sieht die Einstellungen von mehr als 4000 Auszubildenden vor. Die Einstiegsgehälter werden um mehr als 30 Prozent auf 21.400 bis 23.200 Euro abgesenkt.

Einsparungen: Die Telekom will durch den Umbau zwischen 500 Millionen und 900 Millionen Euro einsparen.

Siehe zum Arbeitskonflikt bei der Telekom auch:

(jk)