Stellenabbau bei der Telekom führt zu Belastungen für den Bund

Die von der Telekom geplante Vorruhestandsregelung für Beamte, die noch bei dem Konzern beschäfigt sind, kostet den Bund angeblich "im günstigsten Fall" eine halbe Milliarde Euro zusätzlich im Jahr.

vorlesen Druckansicht 411 Kommentare lesen
Lesezeit: 3 Min.
Von
  • dpa

Der geplante Stellenabbau bei der Deutschen Telekom kommt nach Informationen des Focus den Steuerzahler teuer zu stehen. Wie das Nachrichtenmagazin unter Berufung auf Berliner Regierungskreise schreibt, sind unter den 32.000 Mitarbeitern, die das Unternehmen bis 2008 los werden will, mindestens 20.000 Beamte. Die von der Telekom geplante Vorruhestandsregelung koste den Bund "im günstigsten Fall" eine halbe Milliarde Euro zusätzlich im Jahr. Insgesamt müsse der Steuerzahler damit für die früher bei der Bundespost beschäftigten Beamten jährlich mehr als sechs Milliarden Euro aufwenden. Die Gewerkschaft ver.di will sich mit der Personalverringerung nicht abfinden und kündigte am Sonntag Gespräche mit dem Bonner Konzern und Proteste an.

Die Telekom bezeichnete den Focus-Bericht als "Spekulation" und die Größenordnung von 20.000 als "nicht nachvollziehbar". Es sei viel zu früh, etwas über die Zahl der ausscheidenden Beamten zu sagen, meinte ein Telekom-Sprecher. Es seien mit Berlin noch gar keine Gespräche geführt worden. Das werde erst nach Bildung der neuen Bundesregierung passieren. Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums wollte den Bericht nicht kommentieren. In Deutschland hat der "Rosa Riese" 170.000 Mitarbeiter, von denen 47.000 Beamte sind. In den vergangenen zehn Jahren hat die Telekom bereits 100.000 Stellen abgebaut.

ver.di prangerte den "beispiellosen Personalabbau" an. "Die Telekom befindet sich auf dem Irrweg. Der Konzern braucht jetzt motivierte und qualifizierte Mitarbeiter, um für die Zukunft gerüstet zu sein", betonte ver.di-Vizechef Franz Treml. Service, Qualität und Kundenzufriedenheit müssten deutlich verbessert werden. Die Geschäftskunden der Telekom sehen durch den Stellenabbau einen schlechteren Service kommen. "Es ist zu befürchten, dass die Stellen vor allem auf der untersten Ebene der Techniker und in den Call- Centern gestrichen werden, also im Service", sagte Manfred Rühl, Vorstand beim Deutschen Verband für Post und Telekommunikation (DVPT), in einem dpa-Gespräch.

ver.di will dem Telekom-Vorstand einen umfassenden Forderungskatalog vorlegen. Unter anderem verlangt sie Zukunft sichernde Investitionen, eine personelle Verbesserung und die Aufstockung des Servicebereichs, um die Abwanderung frustrierter Kunden zu stoppen. Die Fremdvergabe von Aufträgen, Leiharbeit und Zeitarbeit müssten deutlich reduziert werden, um Beschäftigung im Konzern zu halten. Der Weggang "kluger und erfahrener Köpfe" müsse gestoppt werden. Im vergangenen Jahr hatte die Deutsche Telekom 57,9 Milliarden Euro umgesetzt und dabei 4,6 Milliarden Euro verdient. 2005 sollen Umsatz und Gewinn kräftig steigen.

Siehe dazu auch:

(dpa)/ (jk)