Drei Aktionäre auf bizarrer Hauptversammlung von Qimonda

Infineons ehemalige Speichersparte will sich vom schwierigen Geschäft mit PC-Speicher emanzipieren und setzt mehr auf Handys und Konsumelektronik. Das hörten nur eine Hand voll Aktionärsvertreter auf der Hauptversammlung in München.

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Von
  • Axel Höpner
  • dpa

Die erste Hauptversammlung des Speicherchip-Konzerns Qimonda mit immerhin knapp drei Milliarden Euro Umsatz ist auf ein rekordverdächtig geringes Interesse gestoßen: Gerade einmal drei Anteilseigner kamen am Dienstag zur Hauptversammlung in München. Zwei von ihnen waren vom Großaktionär Infineon entsandt. Die Anteile vieler institutioneller Anleger wiederum waren bei der Citigroup gebündelt, die sich aber wiederum vertreten ließ. So waren die Mitarbeiter von Qimonda sowie Aufsichtsrat und Vorstand eindeutig in der Mehrheit. Die Premiere war denn auch schnell vorüber. Fragen wurden keine gestellt.

Wenn an diesem Donnerstag (15. Februar) die Konzernmutter Infineon zur Hauptversammlung lädt, wird es ganz anders zugehen. Zu der Veranstaltung werden bis zu 4000 Aktionäre erwartet – das sind mehr, als Qimonda überhaupt Anteilseigner hat. Erwartet wird eine hitzige Debatte zum Beispiel über den Korruptionsskandal um den früheren Vorstand Andreas von Zitzewitz und die Abspaltung der derzeit erfolgreichen Speicherchip-Tochter Qimonda. Zudem dürften – wie bei den großen Hauptversammlungen in Deutschland üblich – auch eher skurrile Themen in einer stundenlangen Diskussion zur Sprache kommen. Bei der Siemens-Hauptversammlung vor zwei Wochen beschwerte sich zum Beispiel einer der Redner, dass ihm von der Einlasskontrolle sein Apfel abgenommen worden sei. Ein anderer klagte, dass bei Siemens zuviel englische Begriffe benutzt würden.

Bei Qimonda war all das kein Thema. Denn der Speicherchip-Hersteller ist ein in Deutschland ausgesprochen seltener Sonderfall. Das Unternehmen ist zwar eine deutsche AG mit Sitz in München. Notiert ist die Qimonda AG aber allein in den USA. In Deutschland werden die Anteilsscheine nur im Freiverkehr gehandelt. "Und das findet dann eher in homöopathischen Dosen statt", sagt ein Finanzexperte. Der Großteil der 3000 Aktionäre sind institutionelle Anleger in den USA. Dort wiederum gibt es die Hauptversammlung als Tag der Generalkritik wie in Deutschland nicht. "Die sind vor allem an den Abstimmungen interessiert", sagt der Experte. Die Abstimmungen wiederum sind derzeit bei Qimonda noch reine Formsache: Infineon hält noch 85,9 Prozent der Anteile, will aber komplett aussteigen.

Denn auch wenn Qimonda derzeit gut unterwegs ist, ging der Börsengang im Sommer nur mit Hängen und Würgen über die Bühne. Infineon konnte sich von weniger Anteilen trennen, als ursprünglich geplant, und musste einen niedrigeren Preis akzeptieren. Noch aber kann Infineon ganz froh sein, dass man noch die Mehrheit hält. Im ersten Quartal 2006/07 schaffte Infineon nur dank der Gewinne der Tochter Qimonda die Rückkehr in die schwarzen Zahlen. Das neue Kerngeschäft mit Logikchips schrieb rote Zahlen. Auch dies dürfte eines der Themen bei der langen Diskussion auf der Hauptversammlung am Donnerstag sein.

Unterdessen sagte der Qimonda-Chef, das Unternehmen wolle sich unabhängiger machen vom volatilen Geschäft mit Speicherchips für Personal Computer. "Der wichtigste Eckpfeiler unserer Strategie ist es, den durchschnittlichen Verkaufspreis zu erhöhen", sagte Qimonda-Vorstandschef Kin Wah Loh am Dienstag auf der ersten Hauptversammlung des Unternehmens vor nur einer Hand voll Aktionäre in München. Der Hersteller wolle sich dazu auf Bereiche konzentrieren, die weniger schwankungsanfällig sind und höheres Umsatzwachstum bieten. Als Beispiele nannte er Chips für Grafikanwendungen, für Handys und die Konsumelektronik. Hier sei Qimonda schon auf einem guten Weg. In den vergangenen beiden Quartalen seien fast 60 Prozent des Absatzvolumens im Nicht-PC-Bereich erzielt worden.

Kin Wah Loh sagte, Qimonda rechne weiterhin mit einem Wachstum der Speicherchip-Märkte auf Bit-Basis um 55 bis 65 Prozent in diesem Jahr. Qimonda wolle die Produktion ebenfalls in dieser Bandbreite steigern. Angetrieben werde der Markt unter anderem vom neuen Windows-Betriebssystem Vista und von neuen Spiele-Konsolen. Konkrete Umsatz- oder Gewinnprognosen gab er weiterhin nicht. (Axel Höpner, dpa) / (vbr)