Viel zu tun
Die Reaktorsicherheitskommission hat keine Zeit, sich ĂĽber Konsequenzen aus dem Fukushima-Unfall Gedanken zu machen. Ist das klug?
Was macht eigentlich die Reaktorsicherheitskommission? Im Mai 2011 hat der versammelte Sachverstand der deutschen Atomtechnik einen ersten Bericht über die Sicherheit der deutschen Atomkraftwerke unter Berücksichtigung der Erkenntnisse aus dem Fukushima-GAU veröffentlicht.
Zahlreiche Fragen sind in diesem Bericht offen geblieben. Keine Details, sondern recht wesentliche Punkte.
Es geht unter anderem um den Umgang mit:
- einem langfristigen Stromausfall,
- möglichen Cyber-Angriffen
- einem Ausfall der KĂĽhlwasserversorgung,
- den Folgen von Erdbeben,
- Hochwasser und anlageninternen Ăśberflutungen
- und der gegenseitigen Wechselwirkung mehrerer Reaktoren an einem Standort bei einem Unfall
Wie Spiegel Online jetzt berichtet, lassen die Antworten auf die offenen Fragen wohl noch ein Weilchen auf sich warten. Die RSK, berichtet Spiegel Online, plane ihre "abschließende Stellungnahme" erst für den Herbst 2012. Das geht aus einer Erklärung von Umweltstaatssekretärin Katherina Reiche in einer schriftlichen Antwort auf eine Anfrage der Abgeordneten Sylvia Kotting-Uhl hervor. Schuld an der Verzögerung sei unter anderem "die hohe Arbeitsbelastung der RSK-Mitglieder".
Ich bin nicht paranoid und neige nicht zu Verschwörungstheorien. Aber das hier sieht ganz so aus, als wollte jemand Gras über die Sache wachsen lassen. Das ist nicht klug, denn das kleine bisschen Vertrauen, das die Bundesregierung in Sachen Atomausstieg versucht hat aufzubauen, wird so schnell wieder abgebaut. Je umstrittener eine Technologie ist, desto mehr Offenheit, Transparenz und Dialogbereitschaft ist nötig, um sie zu betreiben. Schon der Anschein von Mauschelei könnte zu einer neuen gesellschaftlichen Kettenreaktion führen. Ich dachte immer, Nukleartechniker wüssten, was das heißt. Aber man lernt ja nie aus.
(wst)