A123 gibt die Hoffnung nicht auf
Das wohl bekannteste Akku-Start-up der Welt geriet im letzten Jahr mit ĂĽber 250 Millionen US-Dollar ins Minus. Trotzdem bleibt die Firmenleitung optimistisch.
- Kevin Bullis
Das wohl bekannteste Akku-Start-up der Welt geriet im letzten Jahr mit ĂĽber 250 Millionen US-Dollar ins Minus. Trotzdem bleibt die Firmenleitung optimistisch.
Mit seinen Akuus wollte das von MIT-Forschern gegründete Unternehmen A123 Systems den Markt für Elektro-Autos aufmischen: Der erst 2001 gegründete Batteriespezialist aus Waltham, Massachusetts, stand im Mittelpunkt einer Initiative der Obama-Regierung, mit der die Anzahl der Elektrofahrzeuge auf Amerikas Straßen massiv erhöht werden sollte.
Statt Kobaltoxid benutzen sie ein Elektrodenmaterial aus Lithiumeisenphosphat-Nanopartikeln für ihre Lithium-Ionen-Akkus, die mit Spuren anderer Metalle dotiert sind. Dadurch bekommen die Batterien nicht nur eine rekordverdächtige Leistungsdichte, sie sind auch weniger feuergefährlich, selbst wenn sie in einen Unfall geraten sollten. Außerdem sollen die Akkus länger halten als normale Lithium-Ionen-Akkus: Solche Versprechen hatten das Unternehmen zu einem der bestfinanzierten Start-ups der USA gemacht. Nun musste das einst gefeierte Start-up schlechte Zahlen einräumen: 2011 habe man mit 258 Millionen US-Dollar Verlust abgeschlossen, nach einem Minus von 152 Millionen im Jahr 2010.
Trotz der wirtschaftlich kritischen Lage gibt sich die Firmenleitung weiter optimistisch: Betriebs- und Kapitalkosten sollen 2012 deutlich gesenkt und der Umsatz um 45 bis 89 Prozent gesteigert werden. Doch um diese Zahlen zu erreichen, mĂĽsste die Ă–ffentlichkeit vor allem eines tun: Mehr Elektrofahrzeuge kaufen. Bislang aber ist die Nachfrage geringer, als von A123 erwartet.
Eigentlich sah 2011 zunächst gut aus für den Akku-Hersteller: Der Umsatz stieg von 18 Millionen im ersten Quartal auf 65 Millionen im dritten, weil mit Fisker Automotive und dessen "Extended Range"-Limousine Karma ein neuer Kunde hinzugekommen war. Doch der Verkaufsstart des Fahrzeugs verzögerte sich und Fisker bestellte auch nicht neu, weil zunächst die bereits gekauften Batteriesätze verbaut werden mussten.
Resultat: Die A123-Fabrik blieb zunächst im Leerlauf. Hinzu kam, dass es im vierten Quartal 2011 zu Produktionsproblemen kam, die zu höheren Ausfallraten führten. Batteriesysteme für Fisker und andere Kunden wie das Luftfahrt- und Rüstungsunternehmen BAE Systems mussten getauscht oder repariert werden. Der Umsatz sank daraufhin auf 40 Millionen Dollar im vierten Quartal. Im ersten Quartal diesen Jahres dürfte es so weiter gehen, schätzt die Firma. Man werde vermutlich gar auf das Niveau des ersten Quartals 2011 zurückfallen, nachdem Fisker und andere Neuverträge auslaufen.
Ein Silberstreif am Horizont soll trotzdem schon zu sehen sein. Weil es verschiedene neue Produktionsverträge gibt, soll das Unternehmen künftig nicht mehr so stark von individuellen Kunden abhängen. "Kein einzelner Vertrag steht mehr für mehr als 15 Prozent unseres Umsatzes", so A123 Systems bei Bekanntgabe der Zahlen. Zum Vergleich: Fisker stand für 30 Prozent im letzten Jahr, bevor die Verträge gestoppt wurden. A123 erwartet außerdem, dass die Firma mehr Batterien an Stromnetzbetreiber verkaufen wird, was die enttäuschenden Umsätze im Automobilgeschäft zumindest teilweise kompensieren könnte.
Doch die Einnahmen sollen noch mindestens bis Spätsommer vergleichsweise niedrig bleiben. Erst dann sei damit zu rechnen, dass Automobilhersteller ihre Produktion ankurbelten. Dazu gehören Fisker, der chinesische Autobauer SAIC, BMW und die Truck- und Bushersteller Via und Smith. Auch BAE Systems will dann wohl wieder kaufen. A123 erwartet außerdem, Zulieferer für den neuen Elektromini GM Spark zu werden. Weitere Verträge für andere Fahrzeugbaureihen sind für 2013 vorgesehen. Und dann wären da noch die erwähnten Stromnetzbetreiber, die die Akkutechnik als Zwischenspeicher nutzen wollen.
Doch auch wenn Infrastrukturanbieter A123-Batterien zunehmend nachfragen – das Hauptgeschäft wird mittelfristig noch im Automobilbereich gemacht. Und dort hängt alles davon ab, ob sich die Elektrofahrzeuge auch verkaufen. Bislang sieht es dabei in den USA nicht besonders gut aus: Fahrzeuge wie der GM Volt, der in Deutschland als Opel Ampera vermarktet wird, laufen schlechter als erhofft. GM könnte sich deshalb zunächst eine Werkspause..
A123 bekommt außerdem Konkurrenz von anderen Akkuherstellern, die ihre Batteriechemie ständig verbessern. Man werde deshalb selbst in diesem Jahr neue Technik zeigen, so A123 bei der Bekanntgabe der Zahlen. Ein neuer Markt für die Firma könnten auch sogenannte Micro-Hybrid-Fahrzeuge sein, die kleinere Batterien nutzen, um Benzinmotoren zu ergänzen. Solche Autos sind deutlich billiger als Vollhybriden oder Elektrofahrzeuge. Die Hoffnung: Das bedeutet auch größere Stückzahlen. (bsc)