Gegenwind für VeriSign beim ICANN-Forum

Beim Public Forum des ICANN-Treffens im argentinischen Mar del Plata hagelte es erneut Kritik an der positiven Bewertung durch Telcordia.

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Von
  • Monika Ermert

VeriSigns Spitzenplatz bei der Bewerbung um die .net-Registry wackelt, aber er wankt noch nicht. Beim Public Forum des ICANN-Treffens im argentinischen Mar del Plata am gestrigen Donnerstag hagelte es noch einmal Kritik an der Bewertung durch Telcordia. Für Core++ sagte Marcus Faure: "Wohl kein Unternehmen würde den Vertrag eines Anbieters verlängern, der fortgesetzt versucht hat, seinen vertraglichen Regelungen auszuweichen und das Unternehmen sogar verklagt." Faure verwies damit auf die juristische Auseinandersetzung zwischen ICANN und VeriSign, die nach wie vor die US-Gerichte beschäftigt. Auch Vertreter von ICANNs Internetnutzer-Gremium ALAC zeigten sich bestürzt darüber, dass VeriSign etwa im Punkt Einhaltung der ICANN-Spielregeln Bestnoten erhalten hatte.

Core++ hat ebenso wie das nur knapp hinter VeriSign platzierte Konsortium Sentan inzwischen öffentlich zu den Fehlern im Telcordia-Bericht Stellung genommen. Der Bericht von Core++ zählt dabei ausführlich verschiedene Fehler und Fehlbewertungen auf. Im Trend seien VeriSigns Vorzüge in der Bewertung immer wieder betont worden, VeriSigns Schwächen dagegen seien ausgeblendet. Faure erhob im Verlauf der Sitzung (wie auch im Schreiben) offen den Vorwurf, dass US-Bewerber bevorzugt würden. "Die Reihenfolge ist umgekehrt proportional zur geografischen Distanz von Washington DC, Bellway Area. Dies sollte die ICANN beunruhigen und zu einer umfassenden Neubewertung des Evaluierungsprozesses führen."

Wie es nach all der Kritik weitergeht, bleibt vorerst spannend. ICANNs Gremium für generische Top Level Domains, die GNSO, konnte sich nicht dazu durchringen, beim Direktorium einen Antrag zu stellen, die Verhandlungen mit VeriSign erst einmal einzustellen, ein diesbezüglicher Antrag fand keine Mehrheit. Zu sehr seien die einzelnen Mitglieder des Gremiums mit dem ein oder anderen Bewerber verbandelt, hieß es aus dem Gremium. Im Public Forum aber trat -- Zeichen für eine heikle Angelegenheit -- ICANN-Justiziar John Jeffry auf und sagte, man erwarte in den nächsten Tagen die Einwände von allen Bewerbern und werde diese dann mit Telcordia diskutieren.

Einen groben Schnitzer von Telcordia bei der Bewertung der DeNIC habe Telcordia bereits eingeräumt, sagte ICANN-Präsident Vint Cerf. Cerf wurde in den vergangenen drei Tagen nicht müde zu wiederholen, dass das letzte Wort in der Angelegenheit bei den ICANN-Direktoren liege. Gegen den klagefreudigen Bewerber VeriSign aufzustehen, das werden sich die Direktoren allerdings gut überlegen. Vorerst gehen die Vertragsgespräche mit VeriSign noch weiter. VeriSign selbst hat sich inzwischen ebenfalls zu Wort gemeldet. Sentans Kritik wird darin als Reaktion eines "verärgerten, unterlegenen Bewerbers" bezeichnet, der versuche, "den Prozess zu manipulieren". Vertreter von Registraren und Nutzern warnten unterdessen davor, VeriSign einen neuen Vertrag mit unbeschränkter Laufzeit zu gewähren. Es sei ein guter Anreiz für den Betreiber, auf Qualität zu achten, wenn von Zeit zu Zeit im Rahmen einer Neuausschreibung der Status überprüft wird. (Monika Ermert) / (tol)