DSL-Geschäft von United Internet wächst langsamer
Im zweiten Quartal habe United Internet in den Ballungsräumen kaum noch Kunden hinzugewinnen können, erklärte Unternehmensgründer Ralph Dommermuth der Süddeutschen Zeitung.
Der zweitgrößte DSL-Provider nach der Telekom hierzulande wächst nicht mehr wie gewohnt. Der Trend zum Breitband-Anschluss ohne Telekom-Bindung setzt die 1&1 Internet AG, die bisher als reiner Reseller von Telekom-Zugängen reüssierte, unter Druck. "Im ersten Quartal haben wir nur 90.000 DSL-Neukunden gewonnen, 10.000 weniger als im Jahr zuvor", sagte CEO Ralph Dommermuth der Süddeutschen Zeitung. Im zweiten Quartal sei das Unternehmen "noch ein wenig schlechter gefahren". In den Ballungszentren, wo die Konkurrenten mit eigenen Netzen den Wettbewerb anheizen, habe es kaum noch Wachstum gegeben. "Wir haben uns schwer getan." Darauf reagierte die im TecDax notierte United-Internet-Aktie am Montag mit einem Minus von zeitweise fünf Prozent.
Druck kommt auch vom Partner Telekom, der das eigene Angebot reformiert und die Preise gesenkt hatte. Vorbei sind die Zeiten, in denen sich 1&1 auch dank guter Großhandelskonditionen der Telekom im Wettbewerb behaupten konnte. Auch neue Zusatzangebote, wie das zuletzt eingeführte Mobilfunkpaket, sorgten offenbar nicht für die gewünschten Impulse. Mit dem seit Anfang Juli erhältlichen neuen Angebot, das ohne Telekom-Anschluss auskommt und auf der Infrastruktur von QSC und Telefonica realisiert wird, will 1&1 seine Position verteidigen. Das DSL-Geschäft ist neben dem Webhosting und dem Portalbetrieb einer der drei Hauptumsatzbringer der AG.
"Das Tarifpaket wird von Neukunden sehr gut angenommen", sagte Dommermuth der Zeitung, ohne allerdings Zahlen zu nennen. Bereits 100.000 Bestandskunden hätten sich in weniger als zwei Wochen nach dem Start des Angebots für den Tarif registrieren lassen. Für die nächste Zeit rechnet Dommermuth mit einem weiteren Preisverfall bei DSL-Anschlüssen. Dagegen setzt das Unternehmen auf Zusatzangebote wie Filmportal oder Virenschutz, die eine höhere Marge bieten als der DSL-Zugang.
Der harte Wettbewerb auf dem deutschen DSL-Markt hatte zuletzt zu einer beginnenden Konsolidierung geführt. AOL und Tiscali haben sich inzwischen aus dem DSL-Geschäft zurückgezogen, auch das DSL-Geschäft von Lycos steht vor dem Verkauf. Während die AOL-Kunden bei HanseNet eine neue Heimat fanden, übernahm die Freenet AG das Tiscali-Paket – United Internet kam nicht zum Zug. Trotzdem sieht Dommermuth das Unternehmen für die Zukunft gut gerüstet. Er setzt auf Wachstumspotenzial im Ausland und will in neue Geschäftsfelder investieren. (vbr)