Lintec: Vom Börsenstar zum Sanierungsfall
"Der Name Lintec ist verbrannt", meint der Chef des sächsischen Computerherstellers und will nach der Fusion mit der österreichischen chiliGREEN unter deren Namen wieder durchstarten.
Vom gefeierten Börsenstar des Ostens zum Sanierungsfall: Der sächsische Computer-Hersteller und Dienstleister Lintec (Taucha bei Leipzig) versucht nach mehreren Bruchlandungen den Neustart mit einer Fusion. Rettung für das Unternehmen soll der österreichische IT-Hersteller chiliGREEN (Linz) bringen. Nach dem Willen von Lintec-Chef Thomas Goletz soll die Firma mit Sitz in Taucha bei Leipzig auch ihren Namen aufgeben. "Der Name Lintec ist verbrannt", sagt Goletz. Er wolle den Namenswechsel auf chiliGREEN in Kürze der Hauptversammlung vorschlagen.
Die Firma in Linz mit einem Jahresumsatz von 50 Millionen Euro ist einer der größten Hersteller von Desktop-, Notebook- und Serversystemen in Österreich. Im Zuge der Fusion übernimmt Lintec große Teile der Serienproduktion und die Logistik von chiliGREEN. Für Lintec arbeiten noch 80 der ehemals 120 Mitarbeiter. Beim österreichischen Partner sind 60 Menschen angestellt. Luft hat sich Lintec mit dem am vorigen Freitag verkündeten Verkauf seiner Immobilie am Standort Taucha verschafft. Die Grundstücke samt Gebäuden gingen für 6,8 Millionen Euro an einen Immobilienfonds. Damit ist Lintec auf einen Schlag schuldenfrei und verfügt über zusätzliche Finanzmittel. "Der Standort bleibt erhalten", versichert Goletz. Die Immobilie werde zurückgemietet.
Der tiefe Fall von Lintec Information Technologies AG kam im Jahr 2001. Nach einem Traumumsatz von 423,6 Millionen Euro und einem Vorsteuerergebnis von 13,6 Millionen Euro im Jahr 2000 war der Konzern ein Jahr später tief in die roten Zahlen gerutscht. An der Frankfurter Börse sauste der Aktienkurs in den Keller.
Die zunehmend schwierige Marktlage will Goletz, seit 2004 Vorstand der Lintec, nicht allein als Ursache gelten lassen. Er sieht schwere Management-Fehler und eine falsche strategische Ausrichtung als Hauptgrund für die Talfahrt, die Lintec schließlich an den Rand der Pleite führten. "Wachstum sollte aus Zukäufen kommen, die sich allerdings als Flops erwiesen haben", resümiert er. Verschluckt hat sich Lintec etwa an der Pixelnet AG in Wolfen. Pixelnet war das erste börsennotierte Unternehmen im benachbarten Sachsen-Anhalt, bis der internetbasierte Fotodienstleister in Insolvenz ging. Die Firma hatte sich unter anderem an der Übernahme der Porst-Kette verhoben.
Nach dem kompletten Ausstieg von Firmengründer und Mehrheitsaktionär Hans Dieter Lindemeyer mit Beginn des Jahres 2004 fuhr das neue Management einen strikten Restrukturierungskurs. Den Aufschwung sollten eine Kapitalerhöhung mit vorangegangener Aktienzusammenlegung und ein Betriebmittelkredit mit Landesbürgschaft bringen. Um das Unternehmen für die Region Leipzig zu retten, sprang sogar der benachbarte IT-Dienstleister PC-Ware ein.
Der erhoffte und mehrfach angekündigte Erfolg für Lintec blieb bis dato aus. Für 2006 war ein Umsatz von 20 Millionen Euro angepeilt. Bis September waren es 7 Millionen Euro. "Wir sind 2006 grandios gescheitert", lautet die schonungslose Bilanz von Goletz. Das Zusammengehen mit chiliGREEN soll es nun richten. Branchenexperten sehen den Zusammenschluss positiv und erwarten einen Aufwärtstrend. Das Unternehmen sei jetzt ein vielversprechender Turnaround-Kandidat, hieß es etwa bei einem Berliner Aktienhändler. Momentan notiert die Lintec-Aktie um 1,20 Euro. Der Ausgabewert betrug 35,80 Euro. (Gitta Keil, dpa) / (jk)