Augen für Autos

Farbige Lichter an fahrerlosen Autos sollen künftig Fußgängern auf der Fahrbahn signalisieren, dass sie gesehen werden. Bemannte Autos brauchen sowas auch.

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Von
  • Veronika Szentpetery-Kessler

Wissenschaftler des Massachusetts Institute of Technology (MIT) haben sich eines wichtigen Problems angenommen, wie die US-Kollegen diese Woche gemeldet haben: Wenn ich eines schönen Tages auf die Straße trete und eines dieser fahrerlosen Autos auf mich zufahren sehe, woher weiß ich dann, dass die Kiste mich gesehen hat und anhalten wird? Eben, ich weiß es nicht. Und deswegen muss das Auto mir irgendwie signalisieren, dass es mich auf dem Schirm hat. Ich weiß nicht, wie nah diese Zukunft ist, aber der US-Bundesstaat Nevada hält es immerhin für so wahrscheinlich, dass er schon mal gesetzliche Rahmenbedingungen für die Zulassung solcher Autos geschaffen hat (siehe TR 5/2012, S.87).

Aber zurück zur Lösung des Problems. Die MIT-Forscher statteten ein selbstfahrendes Elektroauto mit Kinect-Sensoren und ein paar runden Leuchten aus, die nicht nur mit ihrem Aussehen an Augen erinnern sollen. Hat das Kinect-System einen lebensmüden Fußgänger erkannt, sollen sich die Lampen wie echte Augen auf den Delinquenten richten. Nach dem Motto: „Nachtigall, ick seh‘ Dir trapsen!“ Zusätzlich ändert sich die Farbe von LED-Leuchten an den Rädern, um anzuzeigen, wie brenzlig die Situation ist: wenn der Fußgänger noch sicher vor dem Fahrzeug durchkommt, blinken die Lichter ihn einmal warnend blau an; wird es langsam zu knapp, leuchten die Räder grün, gelb oder schließlich rot.

Ich frage mich jetzt: Warum sollen erst fahrerlose Autos mit einem solchen System ausgestattet werden? Lasst uns bitteschön auch die bemannten Autos damit bestücken (ob dann unbedingt die Räder leuchten müssen oder wie bei K.I.T.T. eine waagerechte Linie aus Lichtern pulsiert, wäre mir egal)! Ich fühle mich als Fußgänger nämlich schon heute oft nicht sicher, und da muss ich gar nicht erst verbotenerweise bei Rot die Straße überqueren. Ich hatte schon genug Schrecksekunden, wenn ich vollkommen legal bei grün hinübergehe und im Augenwinkel sehe, wie jemand mit gefühlt 80 km/h auf mich zugekachelt kommt.

Es ist dann immer dieselbe Entscheidung: habe ich Vertrauen und versuche, den Blick des Fahrers aufzufangen oder haste ich doch sicherheitshalber schneller über die Straße. Ein kurzes Aufleuchten von Lampen oder Rädern, und am besten auch eines Lichtes im Auto, das den Fahrer ermahnt, mal hübsch vom Gas zu gehen, fände ich da sehr beruhigend.

Ja, ja, ich weiß, was jetzt kommt, schließlich habe ich selbst von lebensmüden Fußgängern gesprochen. Aber solche Systeme, die Fahrer vor ihnen warnen, gibt es ansatzweise schon. Man könnte sie aber noch erweitern – vielleicht durch Außenleuchten, deren Farbänderung aussieht wie die ärgerlich zusammengezogenen Augenbrauen des Fahrers. (vsz)