Tauchfahrt im Datenraum

Google will sein Streetview-Projekt offenbar auf die Spitze treiben: Nachdem mittlerweile auch der letzte Hinterhof erfasst ist, arbeiten die Kalifornier daran, jetzt das australische Great Barrier Reef zu digitalisieren.

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Gut, dass Fische weder lesen noch schreiben können. Sonst müsste man sich glatt Sorgen um das neuste Google-Digitalisierungsprojekt machen. Denn der Konzern will sein Streetview-Projekt offenbar auf die Spitze treiben: Nachdem mittlerweile auch der letzte Hinterhof erfasst ist, arbeiten die Kalifornier daran, jetzt das australische Great Barrier Reef zu digitalisieren.

Das Riff umfasst eine Fläche von 344 000 Quadratkilometern. Obwohl es geschützt ist und unter ständiger Beobachtung steht, nimmt es durch Verschmutzung und Klimaveränderungen Schaden. Die Digitalisierung könnte also eine der letzten Gelegenheiten sein, das Riff in seiner ganzen Pracht und Schönheit kennen zu lernen. Auf diese Idee könnte man jedenfalls kommen, wenn man die jüngste Vorhersage des „Club of Rome“ liest. Der Club, der 1972 mit seinem Buch „Die Grenzen des Wachstums“ Furore gemacht hat, will die Welt jetzt erneut aufrütteln. Die Studie „The World in 2052“ ist ab dem 15.6. weltweit in den Buchläden zu haben - auch Propheten müssen ihre Arbeiten ja irgendwie finanzieren.

Wie auch immer. Die Neue ZĂĽrcher Zeitung (NZZ) berichtet, dass Forscher der Queensland University zusammen mit Google und dem Versicherer Catlin das Riff bis zu einer Tiefe von 30 Metern mit einem neuartigen Kamerasystem erfassen, die Fotos mit Positionsdaten verknĂĽpfen und das ganze auf einer interaktiven Website online stellen wollen. Eine recht coole Demo-Seite liefert bereits jetzt einen Vorgeschmack.

Als wäre das datenschutzrechtlich nicht schon bedenklich genug, will der Dokumentarfilmer Richard Fitzpatrick Meeresschildkröten, Riesenmantas und Tigerhaie, die im Riff leben, mit Satellitentranspondern versehen. Einmal angebracht, soll so ein Sender für zwölf Monate Positions-Signale an die Wissenschafter geben. Ist die Batterie leer, lösen sich die Sender von ihren Wirten und tauchen an der Meeresoberfläche auf, wo sie eingesammelt werden können. Die Positionsdaten sollen ebenfalls in Echtzeit auf der Website dargestellt werden.

Kein Wunder, dass manche Kritiker den Konzern eine „Datenkrake“ schimpfen. Wenn ich daran denke, was für einen Aufriss schon alleine Google Streetview hier in Deutschland erzeugt hat. Ich sage nur: verpixelte Häuser. Aber Fische haben halt keine Anwälte. (wst)