Back on Top: Toyota kehrt an die Spitze zurĂŒck

So schnell kann es gehen: Erst zum Jahresende 2011 hatte GM den Erzrivalen Toyota vom weltweiten Zulassungs-Podium gestoßen – Und schon wieder werden die Karten neu gemischt

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Von
  • Gernot Goppelt

Akio Toyoda, PrĂ€sident der Toyota Motor Corporation: „Wir konnten uns schneller als gedacht erholen und ein gutes Ergebnis erzielen. FĂŒr diesen Einsatz möchte ich mich aus tiefstem Herzen bei allen bedanken“.

(Bild: Bertel Schmitt)

Tokio, 9. Mai 2012 – So schnell kann es gehen: Erst zum Jahresende 2011 hatte GM den Erzrivalen Toyota vom weltweiten Zulassungs-Podium gestoßen – Und schon wieder werden die Karten neu gemischt. In Detroit wird man wenig amĂŒsiert die Bilanzpressekonferenz von Toyota verfolgt haben, die am Dienstag im Keller des Tokyoter VerwaltungsgebĂ€udes stattfand. GM muss sich darauf einrichten, den Wanderpokal fĂŒr den weltgrĂ¶ĂŸten Autohersteller wieder nach Japan schicken zu mĂŒssen. Und auch in Wolfsburg wird man womöglich wieder kleinere Brötchen backen mĂŒssen: Am Ende des Jahres wird Volkswagen vielleicht nur auf Platz 3 landen.

Voraussetzung ist allerdings, dass das Jahr „friedlich und normal“ verlĂ€uft, wie Toyota’s President Akio Toyoda dem Großaufgebot von Medienvertretern vortrug. „Friedlich und normal“ ging es allerdings bei Toyota schon lange nicht mehr zu. Der Autobauer hat katastrophale Jahre hinter sich und das ist in diesem Fall keine Übertreibung. Vor zwei Jahren wurde das Unternehmen von der U.S. Regierung quasi geteert und gefedert, weil sich die Fahrzeuge angeblich von alleine in Bewegung setzten. Nach Millionen von RĂŒckrufen, Rekordstrafen und einer sicher quĂ€lenden Entschuldigung des Toyota-Chefs wurde der Autobauer mangels Beweisen freigesprochen.

Vor einem Jahr zwangen dann Erdbeben und Tsunami die japanische Industrie in die Knie. Kaum war der Schutt mit der den Japanern eigenen Energie und Ordnung beseitigt, kaum liefen die BĂ€nder wieder normal, da standen die Werke in Thailand unter Wasser. Japanische Hersteller hatten sich dort im Rahmen der Standortdiversifizierung niedergelassen. Was sollte Toyota noch erleiden?

Nach all dem UnglĂŒck war es kein Wunder, dass Toyota zum Jahresende 2011 den Titel „ZweitgrĂ¶ĂŸter Autohersteller“ an General Motors abgeben musste. Die Naturkatastrophen allein hatten Toyota rund eine halbe Million Einheiten gekostet. Volkswagen rĂŒckte unversehens auf Platz zwei vor, das war eigentlich gar nicht geplant. Die Strategie 2018 sah vor, dass Volkswagen Toyota eben erst dann stĂŒrzt. Nun hatte Volkswagen Toyota vorzeitig ĂŒberrundet und durfte das zeitweilig schon totgeglaubte GM angreifen. Doch wie es jetzt ausschaut, wird Volkswagen erst einmal unauffĂ€llig in die elastische Offensive gehen, zurĂŒck zur Strategie 2018.

Am Ende des ersten Quartals 2012 lag Toyota mit 2,7 Millionen global produzierten Einheiten wieder in FĂŒhrung.

Schon am Ende des ersten Quartals 2012 lag Toyota mit 2,7 Millionen global produzierten Einheiten wieder in FĂŒhrung, gefolgt von GM mit 2,4 Millionen, im Windschatten Volkswagen mit 2,3 Millionen. Im Februar hatte sich Toyota ein Jahreswachstum von 21 Prozent vorgenommen, ein Plan, der von manchem als blauĂ€ugig belĂ€chelt wurde. Was fĂŒr ein Irrtum: Bereits im ersten Quartal liegt das Unternehmen mit einem Wachstum von 35,6 Prozent weit ĂŒber dem Plansoll und nimmt noch weiter Geschwindigkeit auf.

Auf der Pressekonferenz wurde nun ein nach oben revidierter Plan vorgestellt. Toyota will im laufenden GeschĂ€ftsjahr (April bis MĂ€rz) jetzt 8,7 Millionen Toyota- und Lexus-Fahrzeuge absetzen. FĂŒr die Gruppenmitglieder Daihatsu und Hino liegen keine neuen Planzahlen vor. Zusammengerechnet wĂ€ren das 9,7 Millionen Einheiten fĂŒr das GeschĂ€ftsjahr. Toyota plant gewöhnlich, wie es Autos baut: konservativ. Gleiche Wachstumsraten wie im ersten Quartal vorausgesetzt, könnte Toyota zum Ende des Kalenderjahres die 10-Millionen-Schallmauer durchbrechen und GM sowie Volkswagen weit hinter sich lassen.

Am Geld soll‘s nicht liegen. Trotz aller Desaster schloss Toyota das GeschĂ€ftsjahr mit einem Vor-Steuer Gewinn von 432,8 Milliarden Yen (4,2 Milliarden Euro) ab. FĂŒr das laufende GeschĂ€ftsjahr plant Toyota einen Vor-Steuer Gewinn von 1160 Milliarden Yen (11,3 Milliarden Euro). Mit dem Geldsegen lĂ€sst sich, wenn’s hart auf hart kommt, schon der eine oder andere Rabatt finanzieren.

Toyota, das in den letzten Jahren so viele NackenschlĂ€ge verkraften musste, scheint wieder zu alter StĂ€rke zurĂŒckzufinden. (Bertel Schmitt) (ggo)