Bedienkonzepte: Volvos Sensus im V60

Volvos Infotainment ist wie das Auto außenrum: Nüchtern, schlicht, konservativ und es versucht, nicht zu nerven. Am Beispiel V60 T4 schauen wir uns an, wie gut das Konzept in der Praxis taugt

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Stuttgart, 22. Mai 2012 – Wer kauft Volvos? Meistens sind es Familien, die ein gut funktionierendes Auto möchten, eines ohne (extra zu bezahlendes) Marken-Image, eines, dessen Konstrukteure wissen, was Sache ist, weil sie selber Kinder haben. Beispiel Rücksitze: Da gibt es keine lose im Kofferraum herumkrachenden Kinder-Sitzerhöhungen, sondern man kann bei Volvo seit langem mit einem Handgriff die Sitzfläche einzelner Rücksitze heben und arretieren. Ein Volvo ist "einfach ein Auto", aber nicht im Sinn von "mir doch egal, was ich fahre" (diese Werbeaktion ging für Volvo damals böse in die Hose), sondern im Sinn eines guten Butlers, der im Hintergrund arbeitet und gerade deshalb gut sein muss. Das Bedienkonzept folgt dieser Maßgabe: Sensus ist "einfach eine Infotainment-Konsole" im selben Sinn.

Der Funktionsumfang von Sensus ist konservativer als bei den deutschen Hightech-Konkurrenten. Es gibt Fahrzeugeinstellungen, ein Navigationsgerät, ein Radio, ein Fernsehmodul, eine Freisprechanlage, Weitwinkelkameras für unübersichtliche Ausfahrten und ein MP3-Player-Modul, das Musik (z. B. von einem USB-Stick) über eine basslastige, wohlklingende Anlage ausgibt. Die Menüstruktur ist hierbei ein klassisch hierarchischer Baum. Bedient wird er über einen Scroll-Dreher an der Mittelkonsole und zwei Knöpfen: einer für Ja/Menü, einer für Nein/Abbrechen. Es ist damit wie die weltweit meisten Menüsysteme, und die Bedienidee mit Ja-Nein-Knöpfen geht jedem sofort ins Blut über, der je ein Handy der prä-iPhone-Ära besessen hat. Der größte Vorteil ist, dass Sensus damit komplett am Lenkrad gesteuert werden kann, und das mit derselben Logik wie an der Mittelkonsole: Knöpfe für Ja und Nein und statt des Drehrads ein vertikales Scroll-Rad. Systeme mit Drehdrückstellern dagegen legen entweder nur ausgewählte Funktionen ans Lenkrad oder zwingen den Fahrer dort zu einer abweichenden Bedienlogik.

Bedienkonzepte: Volvos Sensus im V60 (19 Bilder)

Ein Drehsteller zum Scrollen, ein Knopf für Ok/Menü, einer für Abbrechen, Schnellwahltasten und ein Ziffernfeld für Texteingabe: viele Knöpfe.

Unter dem Bildschirm liegen auf der Mittelkonsole eine Menge Knöpfe: Schnellwahltasten für die einzelnen Funktionsbereiche und in der Mitte ein Nummerntastenfeld wie am Telefon für die Eingabe von Telefonnummern oder Text. "Viele Knöpfe" ist eine beliebte Kritik geworden in der Automobilpresse, aber es geht einfach schneller, Text an diesem Feld einzugeben als umständlich über den Drehregler. Auch Schnellwahltasten möchte ich persönlich nicht missen. Man könnte sie (wie BMW es tut) zu einem guten Teil frei belegbar machen (Volvo bietet nur die spärlich befunktionierbare "Fav"-Taste) oder man könnte wie im neuen A3-MMI von Audi Kippschalter verwenden, die man blind bedienen kann, aber da sein sollten sie.