Auf dem AA-Trip: Reifenentwicklung Ă la EU
Ab November 2012 soll das EU-Reifenlabel die Qualität von Reifen kennzeichnen – allerdings nur in den Kriterien EnergieÂeffizienz, Nasshaftung und Geräuschemission. Das macht die Reifen nicht unbedingt besser
- Gernot Goppelt
Hannover, 31. Mai 2012 – Der Reifenhersteller Goodyear Dunlop stellt auf der "Reifen" in Essen – sozusagen der IAA unter den Reifenmessen – einen Konzeptreifen vor, der eine "A"-Einstufung beim Rollwiderstand und bei der Nasshaftung im EU-Reifenlabel erzielt. Das EU-Reifenlabel tritt im November 2012 in Kraft und regelt die Kennzeichnung von Reifen in Kategorien von A bis G, ähnlich wie man es von Elektrogeräten kennt. Auch der Verbrauch von Autos wird bekanntlich auf diese Weise kategorisiert und gekennzeichnet, um den Käufern auf einfache Weise bei der Kaufentscheidung zu helfen.
FlĂĽstern, rollen, sparen
Das Reifenlabel deckt drei Kategorien ab: Rollwiderstand und somit die Energieeffizienz, sowie Nasshaftung und Geräuschemission. Die beiden ersten Eigenschaften werden mit Werten zwischen A und G bewertet, das Reifengeräusch dagegen wird in dB angegeben – und dazu eine Art Schallsymbol, dass drei Stufen zwischen laut und leise repräsentiert. Die Konzeptreifen von Dunlop und Goodyear erreichen jeweils eine Doppel-A-Bewertung und somit das bestmögliche Ergebnis bei Rollwiderstand und Nasshaftung. Der Goodyear Efficient Grip AA ist die AA-Prototypenvariante des eingeführten Efficient Grip, der Dunlop BluResponse dagegen ist eine Neuschöpfung, der kein Serienprodukt zugrunde liegt. Beide Reifen wurden quasi in "Handarbeit" für die Messe gefertigt – vergleichbar einem Fahrzeugprototypen, der noch nicht vom Band kommt. Goodyear Dunlop will die AA-Eigenschaften jedoch möglichst schnell in ein Serienprodukt zu überführen.
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Dunlop will den EfficientGrip so weiterentwickeln, dass er gemäß EU-Reifenlabel ein Doppel-A tragen darf.
Jean-Pierre Jeusette, Direktor des Goodyear Innovation Center Luxemburg, spricht durch die Blume aber auch Schwachpunkte des EU-Reifenlabels an: "Es ist extrem anspruchsvoll, Reifen zu entwickeln, die bei allen Kriterien des EU-Reifenlabels die höchste Einstufung erhalten, darüber hinaus aber auch in allen anderen relevanten Leistungs- und Sicherheitsmerkmalen wie Trockenbremsen, Nass- und Trockenhandling, Hochgeschwindigkeitsstabilität, Laufleistung oder Aquaplaning ein hohes Leistungsniveau halten". Freie Übersetzung unsererseits: Man muss einen schwierigen Zielkonflikt lösen und läuft dabei auch noch Gefahr, andere Kriterien zu vernachlässigen.
Und noch ein Zielkonflikt
Ähnliches kann man auch beim Reifenhersteller Continental nachlesen. Das Unternehmen "begrüßt" die Einführung des neuen Europäischen Reifenlabels. Denn immerhin wird dem Reifenkäufer dadurch die Entscheidung leichter gemacht. So verbessert oder verschlechtert sich zum Beispiel pro Klasse der durch den Reifen verursachte Verbrauch um etwa 0,1 Liter pro 100 Kilometer. Bei der Nasshaftung äußerst sich der Unterschied zwischen den Klassen in einem besseren oder schlechteren Bremsweg um etwa sechs Meter. Doch auch Conti schränkt ein: Für Winterreifen habe das Reifenlabel nur eine eingeschränkte Aussagekraft, weil Wintereigenschaften nicht abgebildet würden. Zudem gebe es außer den drei EU-Label-Kriterien elf weitere Kriterien, die etwa in Reifentests besser getestet werden können.