Innenminister wollen Autodiebstahl stärker bekämpfen
Insgesamt wurden im vergangenen Jahr in Deutschland 35.564 Pkw als gestohlen gemeldet. Davon sind 19.318 nicht wieder aufgetaucht – das sind 22,5 Prozent mehr als 2007. Das geht aus einem internen Lagebericht für die Innenministerkonferenz hervor, die derzeit im mecklenburgischen Göhren-Lebbin tagt. Als „Gebot der Stunde“ hat Brandenburgs Innenminister Dietmar Woidke (SPD) das bundesweit abgestimmte Vorgehen gegen die grenzüberschreitende KfZ-Kriminalität bezeichnet. Brandenburg habe dafür gesorgt, „dass dieses hochsensible Thema endlich auf der Ebene der Innenministerkonferenz angekommen ist“. Es sei kein Problem der Grenzregionen oder der ostdeutschen Länder allein, so Woidke. Dies könne ein interner IMK-Lagebericht belegen. Hierin heißt es, dass die Zahl der dauerhaft verschwundenen Autos seit dem Wegfall der Kontrollen an den Grenzen zu Polen und Tschechien rapide zugenommen hat.
Laut IMK-Beschluss sollen verschiedene Maßnahmen geprüft werden. Vor allem soll eine bessere Zusammenarbeit mit den Ermittlern in Polen und Tschechien angestrebt werden. Generell werde „ein verstärkter und schnellerer Informationsaustausch zwischen den Ländern, verbesserte Fahndungsmaßnahmen und eine intensivere Zusammenarbeit von Länderpolizisten, Bundespolizei und Zoll“ gebraucht, so Woidke weiter.
Nicht jedes Modell ist bei professionellen Autodieben gefragt. Besonders begehrt sind SUVs, Oberklasse-Limousinen und Sportwagen.
Hundertprozentigen Schutz vor Autodieben gibt es nicht. Fahrzeugbesitzer können Kriminellen die Arbeit aber möglichst schwermachen, sagte Arnulf Thiemel vom ADAC Technik Zentrum in Landsberg dem dpa-Themendienst: „Wichtig ist, dass es für Diebe unrentabel wird, ein Auto zu klauen – zum Beispiel weil das Überwinden der Sicherung zu auffällig ist oder zu lange dauert.“ Eine Möglichkeit der zusätzlichen Sicherung ist zum Beispiel die Lenkradkralle, erklärt Thiemel: „Das ist allerdings unkomfortabel, weil die Krallen schwer und unhandlich sind und man sie jedes Mal beim Verlassen des Fahrzeugs anbringen muss.“ Erfahrene Autodiebe wissen außerdem, wie sie die Kralle schnell umgehen können: „Gegebenenfalls werden die Fahrzeuge einfach gleich auf einen Hänger verladen.“ Standard ist inzwischen die elektronische Wegfahrsperre. Professionelle Diebe können solche Sperren aber überwinden, erklärt Thiemel: „Deshalb ist es wichtig, dass immer die neueste Technologie verwendet wird.“ Da seien vor allem die Hersteller gefragt – Autobesitzer können ihre Wegfahrsperren in etwas älteren Fahrzeugen meistens nicht nachträglich aufrüsten.
Die Erfahrung zeigt ohnehin, dass professionelle Fahrzeugdiebe per Notebook auch moderne Wegfahrsperren aushebeln können. Denn die Diebe sind heute nur noch selten Gelegenheitstäter, die spontan ein Auto mitnehmen, erklärt Hans-Georg Marmit von der Sachverständigenorganisation KÜS. „Das sind gut organisierte Banden mit moderner technischer Ausrüstung und viel Know-how.“ Zudem gibt es nur wenige Zulieferer, die elektronische Wegfahrsperren herstellen. In unterschiedlichen Modellen verschiedener Automarken steckt deshalb oft dasselbe System – gut ist das nur für Autodiebe, denn so müssen die sich nicht auf jedes Fahrzeug individuell einstellen.
Satellitengestützte Alarmanlagen können feststellen, ob ein Auto bewegt wird und geben dann einen sogenannten stillen Alarm. Thiemel rät eher zu einer fest installierten Variante: „Bei der mobilen Variante ist der Akku eventuell genau dann leer, wenn ich sie brauche.“ Außerdem hat eine fest installierte Alarmanlage in der Regel besseren Empfang. Leider haben sich Diebe auch darauf schon eingestellt und untersuchen vor dem Diebstahl, ob das Auto entsprechende Signale sendet. Die meisten Hersteller bieten Alarmanlagen auch gegen Aufpreis ab Werk an. Doch Profis wissen bei solchen Anlagen genau, wie sie vorgehen müssen. Fällt das Auto in die Hände einer Diebesbande, hilft ein solches System nur wenig. Denn die demontieren das Fahrzeug oft schon kurz nach dem Diebstahl und entfernen dabei die Alarmanlage, erklärt Hans-Georg Marmit.
Zunehmend interessieren sich Autodiebe auch für bestimmte Fahrzeugteile wie Airbags. Die sind schnell ausgebaut und lassen sich vergleichsweise einfach weiterverkaufen. Ähnliches gilt auch für Navigationssysteme ab Werk. Profis brauchen bei einigen Modellen nur Minuten, um das System komplett auszubauen. Wird dabei der Kabelbaum beschädigt, kann der Schaden bei über 7000 Euro liegen. An diesem Punkt ist vorerst auch keine schnelle Änderung zu erwarten, denn die Autohersteller und Werkstätten verdienen daran, die Kunden spüren es dagegen in Form von höheren Versicherungsbeiträgen.
Dennoch muss nicht jeder Autobesitzer sein Auto zur Festung umbauen. „Es gibt verschiedene Stufen des Diebstahlschutzes“, sagt ADAC-Experte Thiemel. „Das hängt zum Beispiel davon ab, ob das Auto in der Öffentlichkeit oder relativ gut geschützt in einer privaten Garage steht.“ Besonders groß ist das Diebstahlrisiko dem Lagebericht zufolge im Osten Deutschlands, aber auch in Hamburg, Hannover und Teilen von Nordrhein-Westfalen. (mit Material der dpa) (mfz)