Cebit

Satellitenfernsehen über die Stromleitung

Mit einer ganzen Reihe von Projekten setzt Devolo auf den Trend zu schneller Powerline-Vernetzung.

vorlesen Druckansicht 212 Kommentare lesen
Lesezeit: 4 Min.

Im vergangenen Sommer brachte der Aachener Vernetzungsspezialist Devolo die ersten Adapter für Vernetzung über die Stromleitung heraus (Powerline Communications, PLC), die auf dem Medium mit maximal 200 MBit/s arbeiten und sich damit auch für das Streaming von High-Definition-Filmen eignen. In Halle 13, Stand C20, führt Devolo nun den Prototyp eines TV-Satellitentuners mit Powerline-Schnittstelle vor. Derzeit plant man die Markteinführung des Seriengeräts zur CeBIT 2008.

Das dLAN NAT (Network Attached Tuner) getaufte Gerät im Zigarrenschachtelformat sitzt anstelle der Settop-Box hinter der Sat-Schüssel und speist einen TV-Kanal als UDP-Multicast ins heimische Powerline-Netz. Darin steckt zwischen Sat-Tuner und dem nach dem Homeplug-AV-Verfahren arbeitenden Powerline-Adapter ein Embedded-System, dessen Innenleben der Hersteller nicht näher spezifiziert. Derzeit empfängt dLAN NAT DVB-S und liefert einen Stream in Standardauflösung (SDTV). Später soll der Tuner auch DVB-C und DVB-T beherrschen sowie bis zu vier SDTV-Streams gleichzeitig ins Netz speisen. Über HDTV denkt man auch nach, damit sollen immerhin noch zwei Streams parallel über die Stromleitung gehen können.

Der TV-Stream landet derzeit bei einer unter Windows laufenden Abspielsoftware, über die man auch den gewünschten Sender auswählt. Devolo plant bereits Kooperationen mit Settop-Box-Herstellern. Statt auf ein Wiedergabegerät kann der Datenstrom auch in einer ebenfalls mit Powerline-Adapter bestückten Netzwerk-Festplatte (dLAN NAS) landen, die als Datenlager für einen Digitalvideorecorder dient.

Doch der Satelliten-Tuner ist nur eines der auf der CeBIT präsentierten Powerline-Projekte: Ein Thinclient soll als Zweitarbeitsplatz über ein nicht näher spezifiziertes Remote-Protokoll simplen Zugriff auf Daten und Anwendungen eines Windows-Rechners gewähren. E-Mail, Textverarbeitung und Webzugriff sind damit kein Problem, doch für Videoübertragung taugt die Lösung schon prinzipiell nicht. In der gleichen Bauform zeigt Devolo eine Draft-N-WLAN-Basisstation mit Homeplug-AV-Schnittstelle.

Als letzter Vertreter der älteren Geschwindigkeitsklasse Homeplug 1.0 (max. 14 MBit/s brutto) erscheint in den nächsten Monaten ein Audio-Adapter. Er nimmt per Windows-Software angelieferte Audio-Streams entgegen und gibt sie analog über einen Line-Ausgang wieder. Das letzte Gerät mit Homeplug-Turbo-Interface (85 MBit/s) wird eine WLAN-Basisstation im Steckerformat sein. Damit kann man eine zweite Funkzelle nach IEEE 802.11g (max. 54 MBit/s brutto im 2,4-GHz-Band) aufspannen, um die Abdeckung des heimischen Funknetzes zu verbessern. Zwar können die 14- und 85-MBit/s-Geräte miteinander kommunizieren, nicht aber mit der 200-MBit/s-Generation.

Bei zukünftigen Entwicklungen plant Devolo, nur noch die Homeplug-AV-Technik einzusetzen. Dabei will man auch Herstellern von Unterhaltungselektronik unter die Arme greifen: Ein Homeplug-AV-Adapter in MiniPCI-Bauform für die Integration in eigene Designs – etwa Powerline-fähige TV-Settop-Boxen – ist fertig entwickelt. Dabei hat man sich einen nützlichen Kniff ausgedacht: Gegenüber dem Host gibt sich das Modul als Netzwerkkarte mit Realtek-Chip aus und läuft so unter den meisten Embedded-Betriebssystemen ohne spezielle Treiber.

Zwar erleichtert die Powerline-Technik das Vernetzen des Eigenheims oder der Wohnung, weil man keine Kabel ziehen muss. Allerdings ist PLC vor allem beim Einsatz für den Internet-Zugang (Last Mile) wegen des Störpotenzials umstritten. Immerhin blendet die von Devolo für die Inhaus-Vernetzung verwendete Homeplug-Technik die Kurzwellen-Amateurfunk-Bänder aus. Dennoch lauern Fußangeln: Der Markt für 200 MBit/s auf der Stromleitung ist dreigeteilt, und die drei Techniken sind nicht kompatibel. Die Entscheidung für das erste 200-MBit/s-Produkt stellt zwangsweise die Weiche für spätere Nachkäufe. (ea)