Stellenabbau bei Siemens Enterprise Communications geplant
Bei dem im Konzern verbliebenen Rest der ehemaligen Com-Sparte sollen 600 der 5500 Mitarbeiter gehen. Die Geschäftsleitung will auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten.
Siemens kommt weiter nicht zur Ruhe. Dem zum Verkauf stehenden Rest der ehemaligen Com-Sparte des Konzerns droht ein massiver Arbeitsplatzabbau. Laut einer Mitteilung des Gesamtbetriebrats an die Mitarbeiter der Siemens Enterprise Communications, die heise online vorliegt, plant das Unternehmen, bundesweit rund 600 der insgesamt fast 5.500 Arbeitsplätze abzubauen. Eine Unternehmenssprecherin bestätigte die Zahl auf Anfrage und betonte, dass es sich dabei um Pläne der Geschäftsführung handele, die dem Wirtschaftsausschuss vorgelegt wurden. Nähere Angaben zu den laufenden Verhandlungen machte das Unternehmen nicht.
Nach Angaben des Betriebsrats plane die Geschäftsführung, die 600 Mitarbeiter mit Aufhebungsverträgen oder durch den Wechsel in eine Beschäftigungsgesellschaft loszuwerden. "Wir können den Stellenabbau nicht nachvollziehen, schon gar nicht in dieser Größenordnung", sagt Matthias Jena von der IG Metall Bayern, der damit die frühen Befürchtungen der Gewerkschaft bestätigt sieht. Nach der Pleite von BenQ Mobile und den Entlassungen bei Nokia Siemens Networks werde das ehemalige Kerngeschäft von Siemens weiter "kaputt gemacht".
Die Arbeitnehmervertreter fordern nun, Einsparungen durch die Optimierung von Geschäftsabläufen und Anpassungen in Führungsebenen zu diskutieren. Jetzt qualifiziertes Personal abzubauen und anschließend durch Fachkräftemangel Wachstumschancen zu verpassen, sei der falsche Weg, heißt es in dem Papier des Betriebsrats. Den Angaben zufolge sollen die meisten Arbeitsplätze am Standort München betroffen sein. In den vielen Niederlassungen solle im Bereich Small Medium Business jeder zweite Techniker gehen. Das Unternehmen hat das nicht bestätigt, betroffen seien nicht die Mitarbeiter mit direktem Kundenkontakt, sondern eher das Back-Office.
Die Geschäftsführung versuche nun, Termindruck aufzubauen, nachdem sie vorher auf Zeit gespielt habe, heißt es von Seiten des Betriebsrates. Die laufende Partnersuche oder der Verkauf der Sparte solle bis zum Ende des Geschäftsjahres zum 30. September abgeschlossen sein. Bis dahin wolle die Geschäftsführung den Personalabbau und die Einrichtung einer Transfergesellschaft unter Dach und Fach haben. Das Unternehmen wies diese Darstellung zurück. Es gebe "keine Eile" bei der Partnersuche, es würden Gespräche mit mehreren Partnern geführt. Eine Frist für die Verhandlungen gebe es nicht. (vbr)