Teles begräbt Pläne für Super-Hotspot auf DVB-T-Basis
Konzernchef Sigram Schindler gibt den "Hütern des Medienrechts in Deutschlands" und "völlig unabsehbaren politischen Rahmenbedingungen" die Schuld für die Zurücknahme seiner Investitionspläne in Millionenhöhe.
Der Berliner Telecom-Ausrüster und Anbieter satellitengestützter Internet-Zugänge Teles gibt seine Pläne für einen "Super HotSpot Berlin Brandenburg" auf DVB-T-Basis auf. In einer Ad-hoc-Mitteilung vom Dezember 2004 hatte das Unternehmen bekundet, die Hauptstadtregion Berlin-Brandenburg nahezu flächendeckend mit einem drahtlosen, bis zu 16.000 kBit/s schnellen Breitband-Internet-Zugangsdienst zu versorgen. Für die Downloads sollte der UHF-Kanal 65, für den Rückkanal sollten Mobilfunknetze genutzt werden. Auch noch auf der IFA 2005 hatte das Unternehmen für sein Projekt geworben.
"Auf Grund der weiterhin völlig unabsehbaren politischen Rahmenbedingungen" für das Projekt, das einen für das Digitale Terrestrische Fernsehen geeigneten Kanal nutzen würde, habe der Teles-Vorstand nunmehr aber "mit Bedauern beschließen müssen", das Projekt einzustellen, heißt es in einer heute verbreiteten Pressemitteilung des Unternehmens. In der von Teles-Gründer und Vorstandsvorsitzenden Professor Sigram Schindler gezeichneten Erklärung geht dieser mit den "Hüter[n] des Medienrechts in Deutschland", das zusätzlich durch den Föderalismus kompliziert werde, hart ins Gericht.
Das Desinteresse der zuständigen politischen Entscheidungsträger an einem solchen Projekt führe dazu, dass die für das Hotspot-Projekt erforderlichen Investitionsrisiken in Millionenhöhe für ein mittelständisches Unternehmen nicht tragbar seien. Die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) hatte den auch für Fernseh- oder Handy-TV-Angebote auf DVB-Basis geeigneten UHF-Kanal 65 nicht der Teles zugeteilt, berichtete das Branchenportal teltarif.de, da es sich beim Teles-Projekt nicht um Rundfunk handele. Kurz nach Weihnachten hatte die mabb Kapazitäten für Handy-TV ausgeschrieben. Offenbar wetteifern die Bundesländer untereinander, in diesem möglichen neuen Markt die ersten zu sein. Bis zur Fußball-WM sollen diese Dienste in Baden-Württemberg starten, erwarten die dortigen Medienhüter. (ssu)