Antennentechnik fĂĽr das Internet im Auto

Wenn heute neue Autos vorgestellt werden, gehören ein tolles Info­tainment-System, E-Mail, Apps oder Internet-Radio wie selbst­verständlich dazu. Doch das erfordert auch eine geeignete Antennentechnik

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Von
  • Gernot Goppelt
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München, 11. Juli 2012 – An Schlagwörtern mangelt es nicht, wenn es um das Internet im Auto geht. Das „Auto in der Cloud“ ist „Always On“ oder auch einfach nur „Always Connected“, wie der Automobilzulieferer Delphi diesen „Megatrend“ nennt. Mittlerweile kann man selbst bei manchem Kleinwagen sein Smartphone verwenden, um eine Verbindung zum Internet herzustellen, um dann zum Beispiel Internet-Radio zu „streamen“, Mails zu schicken, zu twittern (muss das sein?) oder vielleicht tatsächlich Dienste aus der Cloud zu nutzen.

Eines wird dabei leicht übersehen: Ob Internet per Mobilfunk, TV oder simples Radio – wenn der Empfang nicht funktioniert, bleibt von „allzeit online“ nur Gespratzel oder gar nichts mehr übrig. Das ist heute nicht anders als in den guten alten Autoradio-Zeiten. Und eine einfache Stabantenne genügt schon gar nicht mehr, dazu gibt es einfach zu viele unterschiedliche Frequenzen, auf denen irgendetwas gesendet und empfangen wird. Die eierlegende Wollmilchantenne beherrscht Radio und TV, kann Satellitenempfang, WLAN, und Mobilfunk – und all dies auch noch für verschiedene Frequenzbereiche und Standards.

Antennentechnik fĂĽr das Internet im Auto (5 Bilder)

Wer Radio, TV, Internet und GPS im Auto empfangen möchte, braucht vernünftige Antennentechnik - allerdings nicht so.

(Bild: Delphi)

Ach was, brauchen wir alles nicht – wir legen einfach unser Smartphone ins Auto und stellen per Bluetooth oder Kabel eine Verbindung her, um es als UMTS-Modem zu nutzen. Schön wär’s, es funktioniert aber nicht besonders gut. Wie Gunter Bauer von Delphi in der vergangenen Woche auf einem Workshop vortrug, bricht bei einem solchen „Konzept“ ohne Außenantenne die Reichweite regelrecht ein. In seinem Beispiel – UMTS-Stick eingesteckt in die Mittelkonsole – beträgt der Empfangsradius nur noch 400 Meter. Mit einem Smartphone ist es natürlich nicht besser. Eine stabile Verbindung, um etwa Internet-Radio zu empfangen, ist dann nur noch unter guten Bedingungen gegeben – wenn die Dichte von Funkmasten hoch genug ist und diese nicht im Gebäudegewirr verdeckt werden.

Es ist verständlich, dass Automobilhersteller gerade in unteren Segmenten Kosten für aufwendige Antennenlösungen scheuen, denn sie stehen vor einem Dilemma: Entweder statten sie Autos mit einem ganzen Verhau von Antennen aus, oder sie entwickeln eine integrierte Lösung, die mit technischen Klimmzügen und nicht ganz niedrigen Kosten verbunden ist. Delphi bietet eine solche Lösung an, die man freilich zurzeit meist nur auf höherklassigen Fahrzeugen vorfindet. Dort sind am hinteren Ende des Dachs in einer Art Haifischflosse mehrere Antennen untergebracht, in Serie ist zum Beispiel ein Modul, das GSM 900 und 1800, GPS und SDARS unter der kleinen Spitzhaube versammelt. SDARS (Satellite Digital Audio Radio Services) ist ein Standard für den Empfang von Satellitenradio, über den zum Beispiel in den USA Sirius empfangen wird. Man kann diese Antennen auch anders unterbringen, zum Beispiel im Heckspoiler. Doch eine einigermaßen zentrale Position auf dem Dach ist laud Delphi für den Empfang die beste Position.

Mit der Antennenflosse sind sozusagen die neumodischen Empfangstechniken abgedeckt, für Radio und TV sind nach wie vor Zusatzlösungen erforderlich, weil dabei Wellenlängen verarbeitet werden, die eigene, größere Antennen benötigen, entweder nach wie vor eine Stabantenne oder Antennen, die in der Heckscheibe verbaut sind. In Deutschland und manchen Teilen Europas wird der terrestrische Empfang wohl weiter eine dominierende Rolle spielen, weil DVB-T oder DAB eine engmaschige, vorhandene Sendeinfrastruktur nutzen.