China-Chef von Siemens: Bestechungsvorwürfe "nicht haltbar"
Zwar räumt Richard Hausmann ein, dass in China bereits mehrere Führungskräfte wegen Unregelmäßigkeiten entlassen wurden, ihm seien aber keine größeren Korruptionsfälle im China-Geschäft bekannt.
Der China-Chef des Siemens-Konzerns, Richard Hausmann, hat am heutigen Freitag in Peking Stellung zu den erhobenen Vorwürfen genommen, wonach viele der Siemens-Geschäfte in China mit Korruption und Schmiergeldzahlungen in Verbindung stünden. "Es ist uns allen bewusst, dass China ein Land ist, in dem Korruption nicht unbekannt ist", sagte Hausmann. Ihm seien aber keine größeren Korruptionsfälle im China-Geschäft bekannt. Sein Unternehmen gehe konsequent gegen Korruption vor, erklärte Hausmann weiter.
Die Wirtschaftswoche hatte in der vergangenen Woche berichtet, in China sei mehr als die Hälfte des Geschäfts von Bestechung infiziert, stünde also nicht im Einklang mit den Anti-Korruptionsregeln des Siemens-Konzerns. Ein von dem Blatt zitierter Siemens-Manager erklärte, "rund 90 Prozent des Geschäftes in China wird über Mittelsmänner abgewickelt". Ohne die würde da gar nichts laufen. Hausmann wies den Bericht jedoch erneut als "nicht haltbar" zurück.
Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Handelskammer in China räumte aber ein, dass unter den zwanzig in den vergangenen zwölf Monaten wegen Unregelmäßigkeiten entlassenen Mitarbeitern in China auch Führungskräfte gewesen seien. Hausmann wollte sich aber wegen der laufenden Untersuchungen in der Schmiergeldaffäre nicht zu Details äußern, er wies nur darauf hin, dass die Entlassungen nicht alle mit Korruption zu tun gehabt hätten.
Die Bemühungen gegen Schmiergeldgeschäfte hätten in China nicht erst seit den Ermittlungen gegen den Konzern in Deutschland begonnen, erklärte der Manager. In einer so großen Firma gehe es nicht ohne Unregelmäßigkeiten zu. "Es gibt bei einer Belegschaft von 46.000 Mitarbeitern immer schwarze Schafe", sagte Hausmann. Seit zwei Jahren sei das Vorgehen verschärft und die Strukturen seien klarer gemacht worden. Agenten und Berater müssten unterschreiben, dass Gelder nicht unter Verstoß gegen die ethischen Grundlagen des Konzerns ausgegeben werden dürften.
Auf die Frage, wie wirksam das sei, sagte Hausmann: "Wir haben gelernt, dass auch mehr nötig ist." Es gebe eine Hotline, wo Mitarbeiter anonym Fälle von Bestechung melden könnten, die dann verfolgt werden. "Wir sind basierend auf unseren ethischen Vorstellungen auch schon aus Geschäften herausgegangen." Mit den externen Ermittlern in der Schmiergeldaffäre arbeite Siemens in China offen zusammen. "Wir sind transparent", sagte Hausmann.
Der neue Siemens-Chef Peter Löscher traf im Rahmen seiner Asien-Reise am gestrigen Donnerstag unter anderem mit dem chinesischen Vize-Premier Zeng Peiyan zusammen. China zählt zu den wichtigsten Märkten des Elektrokonzerns – Tendenz steigend: Der Marktanteil legte Unternehmensangaben zufolge in drei Jahren von 3,5 auf sechs Prozent zu. Im vergangenen Jahr steigerte der Konzern seinen Umsatz in China um 37 Prozent auf 50,4 Milliarden Yuan (umgerechnet rund fünf Milliarden Euro).
Löscher, der in der anhaltenden Affäre um Schmiergeldzahlungen bei Siemens völlig unbelastet ist, hatte angekündigt, die Missstände schnell aufzuarbeiten und darüber hinaus Strukturen schaffen zu wollen, die eine Wiederholung ausschließen. Unter seiner Ägide musste bereits der frühere Chef der Antikorruptionsabteilung bei Siemens, Albrecht Schäfer, gehen. Zuletzt war bekannt geworden, dass auch im Zusammenhang mit einem Kraftwerksbau in Indonesien Schmiergelder in Höhe von fast 20 Millionen Euro geflossen sein könnten. Die Gesamtsumme fragwürdiger Zahlungen bei Siemens könnte damit bald die Milliarden-Euro-Grenze überschreiten. (pmz)