IG Metall fordert Kurswechsel nach BenQ-Pleite
Der bayrische IG-Metall-Vorsitzende Werner Neugebauer kritisiert mangelnde Kontrolle bei Entscheidungen über Arbeitsplätze.
Nach der Pleite der früheren Siemens-Handysparte hat die IG Metall einen Kurswechsel der führenden Wirtschaftsbosse in Deutschland gefordert. "Wir betrachten es als Wahnsinn, wie Leute momentan unkontrolliert über die Zukunft von tausenden Beschäftigten entscheiden. Menschen bekommen plötzlich Arbeitgeber aus Taiwan oder China, ohne dass irgendwelche Sicherheiten für die Arbeitnehmer existieren", sagte Bayerns IG-Metall-Vorsitzender Werner Neugebauer in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in München.
"Auch wenn der Siemens-Aufsichtsratsvorsitzende Heinrich von Pierer heftig widerspricht: die Tatsachen sehen eher danach aus, als würde Siemens diese Nummer weiter fahren", sagte Neugebauer. Die Gewerkschaft sei derzeit dabei, die Situation von BenQ Mobile zu prüfen. "Die Befürchtungen, die wir vor zwei Jahren gehegt haben, als es darum ging, welche Sicherheiten es für die Beschäftigten geben wird und ob die Übernahme durch BenQ vielleicht nur eine Zwischenstation ist, sind leider wahr geworden." Die Beschäftigten befänden sich nun in einer schlimmen Hängepartie.
Der IG-Metall-Chef kritisierte das Siemens-Management wegen des Verkaufs der Handysparte im vergangenen Jahr an den BenQ-Konzern in Taiwan. "Wenn ein ehemaliger Gummistiefelhersteller wie Nokia es schafft, weltweit die Nummer eins zu sein, und der größte Innovations- und Technologiekonzern Europas - so habe ich Siemens gesehen - nicht in der Lage ist, konkurrenzfähige Produkte herzustellen, dann ist das beschämend."
Für die weitere Existenz des Unternehmens ist nach Neugebauers Worten eine wichtige Frage, wo die Patente und Markenrechte des Handyherstellers liegen. "Wenn die Patente bei BenQ Deutschland liegen, ist das schon mal eine gute Miete. Wenn sie bei BenQ in Taiwan liegen, ist das Thema wohl erledigt." Sollten die Gerüchte stimmen, dass drei oder mehr Gesellschaften existieren, sei es wahrscheinlich, dass die Produktionsgesellschaft keinerlei Rechte habe. Drei Wochen, so schätzt Neugebauer, wird es dauern, bis diese Verflechtungen geklärt sind. "Für unser Ziel, möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten, wird es umso schwieriger, wenn mehrere Gesellschaften beteiligt sein sollten."
Siehe dazu auch:
- Produktion bei BenQ Mobile soll fortgesetzt werden
- Auch BenQ-Mobile-Tochter Inservio insolvent [Update]
- Gewerkschaft sieht in BenQ-Mobile-Insolvenz einen "schmutzigen Trick"
- BenQ Mobile hat Insolvenzantrag gestellt [Update]
- BenQ Mobile: IG Metall sieht Siemens in der Verantwortung
- BenQ-Handygeschäft in Deutschland am Ende [Update]
- "Bericht: BenQ will Handyproduktion verkaufen"
(dpa)/ (cp)