ver.di fordert Mindestlöhne für Telekommunikationsbranche

ver.di-Bundesvorstand Lothar Schröder warb auch für eine schwächere Regulierung des deutschen Telekommunikationsmarkts: "Wenn die Regulierung sich verschärft, dann investiert niemand mehr in Netze."

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  • Martin Murphy
  • dpa

Die Gewerkschaft ver.di hat die Einführung von Mindestlöhnen in der Telekommunikationsbranche gefordert. "Ich hätte in der Vergangenheit nicht gedacht, dass einmal Mindestlöhne für die Telekommunikationsbranche nötig werden. In Anbetracht der Entwicklung halte ich diese nun für erforderlich", sagte ver.di-Bundesvorstand Lothar Schröder der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Er zielt dabei vor allem auf die Callcenter-Branche, bei der einige Anbieter mit Billiglöhnen etablierte Firmen wie die Deutsche Telekom oder Vodafone D2 unterbieten.

Die Telekom hat kürzlich rund 50.000 Beschäftigte der Festnetzsparte in eine neue Konzern-Tochter verlagert; die betroffenen Mitarbeiter erhalten deutlich weniger Geld und müssen in der Woche vier Stunden länger arbeiten. Telekom-Chef René Obermann hatte den Umbau mit dem harten Wettbewerb in Deutschland begründet. Schröder, der Vize-Aufsichtsratschef der Telekom ist, rechnet mit weiteren Belastungen für die Beschäftigten: "Das Klima zwischen Vorstand und Arbeitnehmervertretern ist nach dem Streit um T-Service nach wie vor nicht entspannt. Gerade weil die Telekom ihren Kurs fortsetzt."

Als Vorbild für die Einführung von Mindestlöhnen sieht Schröder die Postbranche. Post-Chef Klaus Zumwinkel hat sich für Mindestlöhne in seinem Marktsegment starkgemacht, um die Konkurrenz durch neue Anbieter abzuwehren. Schröder warb zudem für eine schwächere Regulierung des deutschen Telekommunikationsmarkts: "Wenn die Regulierung sich verschärft, dann investiert niemand mehr in Netze." Die Europäische Kommission drängt auf eine stärkere Regulierung und begründet dies mit der führenden Marktstellung des Bonner Konzerns. "Wir brauchen Bedingungen, mit denen sich die Telekom im Innovationswettbewerb behaupten kann", sagte Schröder. (Martin Murphy, dpa) / (jk)