Auf vier Pfoten: Jaguar XF und XJ AWD

Jaguar führt einen Allradantrieb für den XF und den XJ ein. Das System kommt zusammen mit dem neuen, 340 PS starken 3.0 V6 Kompressor zum Einsatz und soll die Vorteile des Hinterrad­antriebs bewahren

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Schwalbach, 28. August 2012 – Jaguar führt einen Allradantrieb für die Baureihen XF und XJ ein. Das System kommt zusammen mit dem 340 PS starken 3.0 V6 Kompressor zum Einsatz. Der neue Motor stellt zwischen 3500 und 5000/min konstant 450 Nm bereit. Das eigentliche Highlight ist aber ein Allradantrieb, der vor allem die Wintertauglichkeit erheblich verbessert.

Bei den hinterradgetriebenen Varianten von XF und XJ ersetzt der Kompressor-V6 den 5,0-Liter-V8 in der Sauger-Ausführung mit 385 PS. Wie der V8 hat auch der Neuling die variable Ventilsteuerung DIVCT, die nun aber deutlich schneller reagieren soll. Die strahlgeführte, zentrale Multipoint-Direkteinspritzung arbeitet mit bis zu 150 bar. Im V-Ausschnitt des neuen Triebwerks haben die Ingenieure einen Twin-Vortex-Kompressor (TVS) postiert. Durch zwei an den Enden der Kurbelwelle angebrachte, gegenläufig rotierende Ausgleichsgewichte soll sich eine Laufkultur auf Achtzylinder-Niveau ergeben.

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Jaguar XJ (links) und XF erhalten ab 2013 optional einen Allradantrieb.

Dem neuen 3.0 V6 Kompressor wird die Achtgang-Automatik von ZF zur Seite gestellt. Erstmals bei einem Jaguar-Benziner ist auch ein Start-Stopp-System verfügbar. Mit Hilfe eines Twin-Magnet-Anlassers soll es den Motor besonders schnell wieder starten können. Den Spritverbrauch des XF 3.0 V6 Kompressor gibt Jaguar mit 9,4 Liter an, das Allradmodell XF 3.0 V6 AWD braucht 9,8 Liter. Die Werte für den XJ sind mit denen des XF identisch. Zum Vergleich: Der hinterradgetriebene XF 5.0 V8 benötigte 11,1 Liter, also gut anderthalb Liter mehr als das neue Modell.

Das Allradsystem wurde unter Einbeziehung der Expertise von Land Rover entwickelt. Es soll die Sicherheit eines Allradantriebs bieten, ohne dafür den dynamischen Fahreindruck des Hinterradantriebs zu verlieren. Deshalb und um Sprit zu sparen, werde auf trockener Fahrbahn das gesamte Drehmoment an die Hinterachse geleitet. Nur beim Anfahren werden bis 10 km/h auch die Vorderräder angetrieben. Falls sich Schlupf andeutet, wird über eine Lamellenkupplung Kraft zur Vorderachse umdirigiert. Dabei wird zum Teil proaktiv eingegriffen, also nicht erst beim Auftreten von Schlupf. Mit anderen Worten: Die Elektronik kann die Kupplung vorbeugend schließen, weil in bestimmten Fahrzuständen Schlupf zu erwarten ist. Dieses Verfahren ist üblich bei praktisch allen modernen Allradantrieben, bei denen der 50:40-Durchtrieb mithilfe einer elektronisch gesteuerten Kupplung hergestellt wird.

Außer dem Normalmodus kann der Fahrer auch die Betriebsarten Dynamic und Winter wählen. Im Wintermodus wird die Kraft normalerweise im Verhältnis von 30 zu 70 verteilt. Erfordern es die Verhältnisse, gelangen bis zu 50 Prozent nach vorn. Im Dynamikmodus arbeitet der Allradantrieb dagegen wie im Normalprogramm. Wie vom Verstellsystem "Jaguar Drive Control" her bekannt, ändern sich hier jedoch Gaspedal-, Schalt- und Stoßdämpferverhalten.

Jaguar bietet den neuen Allradantrieb für den XF, den XJ und die Langversion des XJ an. Einziges optisches Differenzierungsmerkmal ist ein AWD-Schriftzug auf dem Kofferraumdeckel. Markteinführung für die neuen Versionen ist Anfang 2013, die Preise wurden noch nicht bekannt gegeben. Von dem neuen V6-Motor soll es künftig auch eine Variante mit 380 PS und 460 Newtonmeter geben. Diese wird im kommenden Roadster namens F-Type eingesetzt, wo 127 PS pro Liter Hubraum erreicht werden – die höchste spezifische Leistung in der Jaguar-Motorenpalette. (imp)