Mainboards: Absatz könnte besser laufen

Gefragt sind vor allem Mainboards mit Sockel 1155 und H77/Z77-Chipsatz. Die Verkaufspreise halten ein stabiles Niveau. Die Spitzen fallen weit weniger heftig aus, als in anderen Bereichen. Für Impulse sorgt verstärkt der Highend-Sektor. Gegenüber dem Vorjahr ist die Nachfrage leicht rückläufig.

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Von
  • Karl Fröhlich

Trotz neuer Technologien, so richtig in Fahrt ist das Geschäft mit Mainboards in diesem Jahr nicht gekommen. Die Distribution bezeichnet den Absatz als allgemein gut, wobei das eher bedeutet, "so richtig zufrieden sind wir nicht". "Gegenüber dem Vorjahr war das ersten Halbjahr leicht rückläufig", bestätigt Florian Gerken, Senior Manager Components bei Ingram Micro Distribution. "Die Verfügbarkeit der Produkte bewegt sich aber auf einem guten Niveau bei einer relativ stabilen Preisentwicklung."

"Gefragt sind vor allem Mainboards mit Sockel 1155 und Z77-Chipsatz", sagt Alexander Spohr, Business Unit Manager PCC bei Tech Data. "Zu den Ausstattungsmerkmalen, die momentan besondere Beachtung finden, gehören unter anderem USB 3.0, Thunderbolt und PCIe 3.0."

Dieser Trend spiegelt sich auch im heise Preisradar wieder, dass in der KW 35 einen durchschnittliche Verkaufspreis für Mainboards von 97,49 Euro (brutto) ausweißt. Gegenüber der Vorwoche ist dies ein Plus von 5,5 Prozent. Zum Vergleich: Ende des ersten Quartals lag der Kurs in der KW 13 bei knapp 109 Euro und Ende des ersten Halbjahres in der KW 25 bei rund 100 Euro. Im Top-10-Ranking finden sich ausschließlich Boards für Intel-CPUs – zwei mit H77-Chipsatz, der Rest auf Basis des Z77. Meistgesucht ist das Budget-Board H77 Pro4/MVP (73,78 Euro) von Asrock. Dahinter rangieren das Gigabyte GA-Z77X-D3H (120,02 Euro), Asrock Z77 Extreme4 (122,42 Euro), Gigabyte GA-H77-D3H (81,80 Euro) sowie MSI Z77A-G43 (88,83 Euro).

Übers Jahr gesehen hält der durchschnittliche Verkaufspreis im Mainboard-Segment ein stabiles Niveau.

Kritiker bemängeln, dass das Geschäft mit einzelnen Hauptplatinen beständig rückläufig sei. Die Kundschaft kaufe sich lieber Tablet-PCs und Notebooks. Gleichzeitig verlängert sich die Haltwertzeit eines Rechners, nur Hardcore-Anwender würden ihre Systeme tatsächlich ausreizen. Alle anderen Nutzer können locker vier bis fünf Jahren mit ihrem PC arbeiten und selbst dann ist eine Neuanschaffung nicht wirklich nötig. Gleichzeitig gibt es eine beständige und moderat steigende Zielgruppe, die viel Geld für eine Top-Ausstattung ausgibt. Auch das Interesse an Overclocking (OC) nimmt zu. Ein Trend, der von Mainboard-Herstellern forciert wird. Zwar muss man auch heute noch tiefer in die Materie einsteigen, doch spezielle OC-Funktionen und beispielsweise extra herausgeführte Spannungsmesspunkte erleichtern das Übertakten inzwischen erheblich.

Das Gigabyte G1.Sniper 3 gehört mit OC-Funktionen, SATA-6, Soundcore-3D- und Killer-Netzwerk-Chip momentan zu den Top-Boards. Händler kaufen die Platine in der KW 35 ab zirka 288 Euro.

(Bild: Gigabyte)

Zudem hat das Mainboard einen großen Anteil an der Qualität und Leistungsfähigkeit eines Rechners. Highend-Platinen wie Gigabytes G1.Sniper 3 sind beispielsweise mit einem hochwertigen Sound-Chip (Creative Soundcore 3D), einem Mikrophonverstärker und einem schnellen Netzwerk-Chip (Killer E2200) ausgestattet. Unter anderem bestückt MSI das Z77A-GD80 nicht nur mit USB 3.0, sondern auch mit Thunderbolt. Verkaufspreise zwischen 240 und 320 Euro sind nichts für schmale Geldbeutel, der Kunde erhält aber auch ein gehöriges Maß an Leistung für sein Geld. Und für Reseller bleibt an diesen Produkten auch etwas mehr Marge hängen.

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Bei der Preisbeobachtung unterstĂĽtzten uns:

ALSO Actebis GmbH
B.com Computer AG
CTT AG
Devil AG
Ingram Micro GmbH

Im vierten Quartal könnte Microsoft der Nachfrage auf die Sprünge helfen. "Windows 8 liefert nur mit UEFI-Boards (früher BIOS) die volle Performance", mahnt Tech-Data-Manager Spohr. Ansonsten sei die mögliche Boot-Geschwindigkeit von acht Sekunden nicht zu erreichen. Andererseits sieht sich Windows 8 bereits jetzt einiger Kritik ausgesetzt. Marktforscher wie IDC zweifeln, ob das neue Betriebssystem den PC- und Komponenten-Markt tatsächlich wie erhofft beleben kann.

Ansonsten sorgt eher Intels Ivy-Bridge-Technologie fĂĽr Belebung. Auch von AMD wird noch einiges erwartet. Hier stehen im Mainstream- und Performance-Bereich Trinity und Vishera auf dem Plan. (gs)