Schnapsidee: die Pille gegen Alkohol in der Atemluft
Der Unternehmer Arthur Kibble versucht, in Großbritannien Pillen unter die Leute zu bringen, die deutlich weniger Blutalkohol anzeigen, wenn man ins Röhrchen bläst. In den USA ist dieser Humbug bereits verboten
- Gernot Goppelt
München, 30. August 2012 – Sprichwörtlich eine Schnapsidee: Der Unternehmer Arthur Kibble vertreibt unter alcopal.com Pillen, welche die Aufnahme von Alkohol ins Blut verlangsamen sollen. So soll der Ablesewert bei Alkoholtestern um bis zu neunmal geringer ausfallen. Der Internet-Auftritt ist überschaubar: Eine kurze Beschreibung, ein Bestellformular, eine Kontaktadresse, sonst nichts.
Ein paar Pints mehr
Nach britischen Medienberichten werden die Pillen in Indien hergestellt. Die Wirkung soll darin bestehen, dass der Alkohol schlechter die Magenwand passieren kann, sodass nur ein geringer Anteil davon im Blutkreislauf landet. Der Anbieter versäumt nicht anzumerken, dass damit auch „Last von Leber und Nieren“ genommen wird, er meint es ja nur gut.
Schnapsidee: die Pille gegen Alkohol in der Atemluft (1 Bilder)

"Sei vorsichtig, wenn Du erst trinken und dann fahren willst" - heißt es auf alcopal.com, die "Pille danach" zum Verschleiern des Alkoholkonsums wirkt allerdings wie ein schlechter Scherz. (Zitat von "alcopal.com")
„Das Produkt ist für Leute wie mich, die ins Pub gehen und mehr als ein Pint trinken … ich will Autofahrer nicht dazu ermuntern, sturzbesoffen Auto zu fahren. Und ich muss betonen, dass diese Pillen nicht dazu beitragen können, dass man besser Auto fahren kann, nachdem man getrunken hat.“, sagt Arthur Kibble. Kevin Clinton von der Royal Society for the Prevention of Accidents hat eine klare Meinung zu den Pillen: „Es ist gefährlich und dumm und könnte die Leute dazu ermuntern, betrunken zu fahren in der Hoffnung, sie könnten dank der Pillen davonkommen.“
Entgasungspille
Die Pillen enthalten einen Arzneistoff namens „Simeticon“, der normalerweise dazu dient, dass Völlegefühl im Magen zu lindern, indem es Darmgase auflöst. Möglicherweise geht es also vor allem darum, den Alkoholtester zu überlisten, indem der Alkoholgehalt des Atems manipuliert wird. Dass zudem weniger Alkohol ins Blut gelangt, wie behauptet, scheint zweifelhaft.
In den USA ist die Pille nach britischen Berichten bereits verboten, dies werde nun auch für Großbritannien gefordert. Auf der Internetseite des Anbieters gibt es zwar eine Bestellmöglichkeit, doch auch den Satz: „Sorry, we are currently out of stock“. Waren die Kunden derart begeistert, oder ist es am Ende nur eine etwas eigenartige Form von Humor? (ggo)