Fahrzeug sorgt vor
US-Forscher haben einen Kleinwagen mit diversen Sensoren ausgestattet. So soll der Gesundheitszustand des Fahrers ganz nebenbei ĂĽberwacht werden.
- Susan Young
US-Forscher haben einen Kleinwagen mit diversen Sensoren ausgestattet. So soll der Gesundheitszustand des Fahrers ganz nebenbei ĂĽberwacht werden.
Wissenschaftler an der University of Southern California (USC) haben einen Kleinwagen mit 230 Sensoren ausgestattet, die zahlreiche Informationen über den Fahrer sammeln können. Der aufgemotzte Mini Cooper, der auf den Namen "Nigel" hört und am Center for Body Computing und dem Institute for Cinematic Arts der USC entstanden ist, soll den Gesundheitszustand seines Besitzers ständig überwachen, ihn aber auch gleichzeitig dabei unterstützen, gesund zu bleiben. Eine eigene Smartphone-App versucht dies über spielerische Aspekte zu vermitteln.
Leslie Saxon, Kardiologin an der Keck School of Medicine der USC und Gründerin des Center for Body Computing, meint, dass das Projekt ein wichtiges Problem lösen helfen soll: Viele Menschen kümmerten sich zu wenig um ihren Körper und verfügten nur über vergleichsweise wenig aktuelle Informationen zu dessen Zustand – von regelmäßigen Arztbesuchen abgesehen.
Zu den verwendeten Sensoren gehört ein genaues Pulsmesssystem, das im Lenkrad integriert ist. Die Technik diene auch der Selbsterkenntnis des Fahrers, sagt Saxon: Vielleicht beschleunigt sich die Herzfrequenz, wenn man aufs Gas tritt, vielleicht verlangsamt sie sich, während ein beruhigender Song in der Musikanlage läuft. "Wenn die Leute lernen, wie ihr Körper reagiert, indem sie Echtzeitmesswerte sehen, entwickeln sie ein deutlich ausgeprägteres Gefühl für sich selbst", glaubt die Forscherin.
"Ein Selfmonitoring im Auto könnte Vorteile haben", meint auch Paul Abramson, Arzt in San Francisco, der in seiner Praxis selbst mit solchen Sensoren arbeitet. "Ein Fahrzeug ist beispielsweise ein guter Ort, um zu messen, wie Menschen auf Stress reagieren." Abramson glaubt, dass insbesondere Patienten mit bestimmten Krankheitsbildern, die sich nur schwer abklären lassen, von dauerhaft eingesetzten Gesundheitssensoren profitieren.
Seine Erfahrung: Nutzer, die die Tracking-Geräte nur zur Unterhaltung nutzen, legen sie schnell wieder weg. "Meiner Ansicht nach eignet sich die Technik derzeit vor allem für Menschen, die ein akutes Problem lösen wollen. Sie motiviert die meisten Leute, weil es darum geht, etwas für sich selbst zu tun." Niemand müsse künftig mehr auf den Arztbesuch warten.
Joseph Kvedar, Direktor am Center for Connected Health bei der US-Gesundheitsorganisation Partners Health, hat in Untersuchungen festgestellt, dass ein Selfmonitoring besonders Patienten mit chronischen Krankheiten hilft. Das Messen von Blutdruck, Herzfrequenz und Gewicht zuhause mit direkter drahtloser Ăśbertragung zum Gesundheitsversorger sei bei einem Experiment vielversprechend gewesen. Die Chance, dass Patienten mit Herzversagen nochmals ins Krankenhaus mussten, sei um 50 Prozent gesunken. "Die Leute lernen viel darĂĽber, wie ihr Lebensstil ihre Gesundheit beeinflusst", sagt Kvedar.
USC-Forscherin Saxon hofft, dass die in "Nigel" eingebauten Gesundheitssensoren, die mit einer als angenehm empfundenen Tätigkeit wie dem Autofahren kombiniert werden, dazu führen, dass die Leute "süchtig werden nach ihren Daten". Die Technik erlaube eine dauernde Gesundheitsvorsorge. Noch ist allerdings unklar, wann die an der Hochschule entstandenen Systeme zu Produkten für Endkunden werden. (bsc)