Umfrage: Immer mehr Radler in den Städten

Radeln ist in - und das längst auch in den stark belasteten Innenstädten. Die Zuwachsraten der Biker sind zweistellig, doch hält der Ausbau der Infrastruktur damit nicht Schritt, wie eine Umfrage der dpa in Bayern zeigt

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In München ist der Anteil der Radler am gesamten Verkehrsaufkommen seit dem Jahr 2002 um 70 Prozent gestiegen, er lag 2011 bei gut 17 Prozent. Auch andere Städte im Freistaat verzeichnen teils zweistellige Zuwachsraten. Radfahren in der City ist in – doch nicht überall hält der Ausbau des Radwegenetzes Schritt mit dem Anstieg der Biker, wie eine dpa-Umfrage zum Ende der Radlersaison ergab.

„Wir sehen den Radler-Boom nicht als Problem“, sagt Wigand von Sassen vom Münchner Kreisverwaltungsreferat (KVR), „mit der dynamischen Entwicklung mitzuhalten ist allerdings nicht ganz leicht.“ Für das Jahr 2020 erwartet er einen Radleranteil von 20 Prozent am Gesamtverkehr. Zum Vergleich: Deutschlands Biker-Stadt Nummer 1, Münster, liegt schon jetzt bei 36 Prozent.

Radfahren liegt im Trend.

(Bild: ADFC, Julia Baier)

Um die regelrechte Radlerflut an sonnigen Tagen in den Griff zu bekommen, werden immer mehr Einbahnstraßen für Biker auch in der Gegenrichtung geöffnet. Zudem liegen 40 Vorschläge für die Schaffung weiterer reiner Fahrradstraßen vor. Dennoch laute die Devise: Weg vom Radweg hin zur Markierung auf der Straße. „Radfahrer gehören auf die Straße, da sie in puncto Geschwindigkeit dem Autofahrer viel ähnlicher sind als dem Fußgänger“, sagt von Sassen.

Ein großes Thema ist die Verkehrssicherheit. Die Unfallzahlen mit Radfahrern sind in den vergangenen Jahren um 25 Prozent gestiegen. Dies liegt nach von Sassens Aussage aber in erster Linie am Anstieg des Fahrradverkehrs. „Im Verhältnis ist Radfahren sicherer geworden.“ Gemeinsam mit der Polizei hat das KVR einen Flyer „Entspannt mobil – Sicher unterwegs“ mit Tipps herausgebracht – Bußgeldtabelle inklusive. So mancher Radler hat sich schon die Augen gerieben, als er beim Überfahren einer roten Ampel von der Polizei gestoppt wurde und neben einem Bußgeld auch noch einen Punkt in Flensburg kassierte.

In Bayerns zweitgrößter Stadt heißt die Devise beim Radfahren „Nürnberg steigt auf“. Der Radleranteil am Verkehrsaufkommen soll dort von 11 Prozent im Jahr 2008 auf 20 Prozent 2015 steigen. Täglich werden in der Stadt 160.000 Fahrten mit dem Rad zurückgelegt, durchschnittliche Entfernung 3,5 Kilometern, wie die Statistiker ausgerechnet haben. Es gibt getrennt vom Kfz-Verkehr 290 Kilometer Radwege. Und auch in Nürnberg sollen weitere Einbahnstraßen in beide Richtungen für die Biker geöffnet werden.

Augsburg ist Gründungsmitglied der Arbeitsgemeinschaft der fahrradfreundlichen Kommunen in Bayern (AGFK). Schon 15 Prozent der Verkehrsteilnehmer sind Radfahrer – „im Ganzjahresschnitt“, wie der städtische Radverkehrsbeauftragte Thomas Hertha betont. „Augsburg hat in den vergangenen Jahren viel in die Radverkehrs-Infrastruktur investiert.“ Dennoch gebe es offene Baustellen, etwa den fehlenden Lückenschluss bei der Ost-West-Achse in die Innenstadt oder am Königsplatz, der Ende 2013 total autofrei werden soll.

In Regensburg liegt das Anteil der Fahrradfahrer aktuell bei rund 19 Prozent. Spitzenreiter im bundesweiten Vergleich ist Münster mit 36 Prozent.

(Bild: ADFC, Julia Baier)

Regensburgs Stadtrat hat Anfang 2012 einen neuen Radverkehrsplan beschlossen – ein Maßnahmenpaket, das in den kommenden Jahren Zug um Zug umgesetzt werden soll. Neben Markierungen zur Verbesserung der Sicherheit sollen auch wichtige Lücken im Radwegenetz geschlossen und Neubauten in Angriff genommen werden. Bei der Aktion „Stadtradeln“ des Vereins Klima-Bündnis legten rund 900 Teilnehmer in 93 Teams in drei Wochen über 152.000 Kilometer auf ihren Fahrrädern zurück. Nach Angaben von Stadtsprecherin Katrin Butz wurden dabei über 22 Tonnen Autoabgase eingespart. Der Radverkehrsanteil liegt in Regensburg bei 19 Prozent. Ein Problem sind die „Geisterradler“, die auf der linken Straßenseite fahren und für Unfälle sorgen.

Würzburgs Biker kennen eine „Problemzone“ nur zu gut: die Löwenbrücke. Täglich passieren dort im Schnitt 1000 Radler den Main, haben aber eigentlich keinen Platz. Die Gehwege sind zu schmal, die drei Fahrspuren müssen ein hohes Verkehrsaufkommen bewältigen, die Straßenbahn kommt dazu. Der Radverkehrsbeirat der Stadt hat noch keine Lösung des Problems gefunden, wie Sprecher Georg Wagenbrenner einräumt. Dagegen erhofft sich die Stadt interessante Erkenntnisse von einem bundesweit beachteten Modellprojekt. Dabei werden auf einer Radler-Teststrecke am Ludwigkai neun verschiedene Beläge auf ihre Belastungsfähigkeit und Umweltverträglichkeit getestet. (dpa) (mfz)